Freitag, 13. April 2018

[Rezensionsexemplar] Alyson Richman - Abschied in Prag

Lenkas und Josefs Geschichte beginnt im Prag der 1930er Jahre. Kurz nach ihrer Heirat werden die jungen Liebenden beim Einmarsch der Deutschen auseinandergerissen. Josef emigriert, arbeitet als Arzt in New York, heiratet. Lenka entrinnt im Konzentrationslager dem Tod nur knapp und beginnt nach dem Krieg ein neues Leben in den USA. Obwohl sie glauben, einander nie wiederzusehen, vergessen sie ihre Liebe nie. Bis sie sich sechs Jahrzehnte später in New York zufällig begegnen…

Es gibt Bücher, die werden einem wirklich von allen Seiten empfohlen. Die man sich dann auf die Merkliste setzt und trotzdem sehr lange erstmal nicht für sich besorgt, weil man Angst hat, enttäuscht zu werden oder dem Buch nichts abgewinnen zu können. Und leider zählt mein Rezensionsexemplar von "Abschied in Prag" für mich zu genau diesen Büchern. Warum das so ist, kann ich aber ziemlich genau festmachen.

Als ich das erste Kapitel des Buchs las, dachte ich noch "Ui!", denn es fängt mit einem ziemlichen Knalleffekt an, nämlich dem Wiedersehen nach sechzig Jahren. Also hätte ich dann erwartet, dass ich den beiden in den folgenden Seiten Schritt für Schritt folge, aber tatschlich erlebe ich immer nur Ausschnitte, die dann wieder unterbrochen werden von anderen Zeitebenen. Leider bleibt vor allem Josef einfach unglaublich blass und verschafft mir nicht wirklich Zutritt zu seinem Gefühlsleben. Ja, das wird alles erzählt und ständig gesagt, wie er leidet oder wie er sich schuldig fühlt oder wie er irgendeine Emotion hat ... aber es wird mir eben einfach nur erzählt. Ich bin nie wirklich dabei, er lässt mich nicht an sich ran und je länger das geht, desto mehr frage ich mich, warum die Autorin überhaupt seine Seite mit reingebracht hat. Lenka dagegen wird sehr ausführlich erzählt, aber auch hier schaffe ich es nicht, mich in die Figur hineinzuversetzen. Lenka ist so gut, so nett, so heldenhaft, ... aber so richtig verwickelt in irgendetwas ist sie nicht. Sie interessiert mich als Person irgendwann nicht mehr so richtig, ich lese halt über sie, weil es sonst niemand anderen gibt, aber das alles ohne groß selbst eingesogen zu werden.

Je länger ich im Buch las, desto mehr hat sich in meinem Kopf leider ein Wort gebildet, das ich selbst nicht mag. Holocaust-Romanze. Der gesamte Komplex des Holocaust dient letztlich nur dazu, einen möglihst tragischen Hintergrund für zwei eigentlich sehr langweilige Figuren zu bilden, die nicht zusammenkommen können, Und das finde ich ehrlich gesagt richtig furchtbar. Als wäre Theresienstadt nicht schlimm genug, als würde es nicht ein Setting für einen Roman bilden, in dem man mit realen Personen so viele Sachen darstellen könnte. Als wäre die mir bis dahin nicht bekannte Schneewittchen-Wand in Auschwitz nicht wirklich ein tolles Bild gewesen, dessen Entstehung man hätte zur Handlung eines ganzen Kapitels in einem Roman hätte machen können (statt es in einem Nebensatz zu erwähnen) - nein, stattdessen wird mit dem allgegenwärtigen Tod auf die Tränendrüse gedrückt, weile s ja so gemein ist, dass die arme Lenka ihren armen Josef nicht mehr hat. Geigenmusik im Hintergrund und feuchte Augen, das ist Nicholas Sparks. Und ich finde einfach, dass so eine Behandlung dem Thema nicht gerecht wird, sondern eher so wirkt, als hätte die Autorin nach einer einfachen Möglichkeit geuscht, um möglichst tragisch möglichst viele Bücher verkaufen zu können.

Freitag, 30. März 2018

[Rezensionsexemplar] Lionel Davidson - Die Rose von Tibet

Januar 1949: Der britische Filmemacher Hugh Whittington soll auf einer Expedition in der Nähe des Mount Everest ums Leben gekommen sein. Doch sein Stiefbruder Charles gelangt an Informationen, die ihn an Hughs Tod zweifeln lassen. Er ist entschlossen, nach Tibet zu reisen und ihn zu finden, doch die Grenzen des Landes sind abgeriegelt. Auf gefährlichen Pfaden gelangt Charles schließlich ins verbotene Land, wo sein Bruder sich in einem Kloster aufhalten soll. Doch statt auf Hugh trifft er dort auf eine faszinierende Frau mit einem tödlichen Geheimnis …

Mount Everest. Mein Schicksalsberg. Kaum sehe ich diesen Namen, muss ich natürlich zuschlagen und habe mir deshalb dieses rezensionsexemplar beim bloggerportal gewünscht. Ich muss ehrlich gestehen: Um ein Haar hätte ich das Buch nach den ersten Seiten abgebrochen. Denn leider hat mich der zu stark an den totalen Reinfall mit den Nazi-Yetis von Dan Simmons erinnert. Dass die Sprache dann auch noch extrem antiquiert wirkte - was daran liegt, das das Buch erstmals 1962 erschienen ist - hat es mir nicht leichter gemacht, am Ball zu bleiben. Zum Glück hatten wir dann aber zwei Tage schneefrei an der Schule, sodass ich die Zeit einfach genutzt habe, um mich durch den Anfang zu kämpfen, den ersten Teil in rasantem Tempo zu verfolgen und dann in Teil zwei immer wieder Fragezeichen ins Auge zu bekommen, weil ich mich fragte, was Lionel Davidson genommen hat, um so abzudriften. Aber der Reihe nach.

Der erste Teil des Buchs, nachdem es mit einer erfundenen Rahmenhandlung als echt identifiziert wird, ist ein wirklich spannender Roman. Ein Abenteuerroman im klassischen Sinn, wie ihn auch ein Jules Verne hätte schreiben können, bei dem ich dieses fremde Land Tibet so deutlich vor Augen geführt bekomme, als wäre ich selbst dort. Die eingeführten Figuren sind interessant gezeichnete Charaktere und der tatsächliche historische Hintergrund über die Annektion Tibets wird interesant eingearbeitet, auch wenn ich nicht komplett von den historischen Details überzeugt bin. Leider schlägt das Buch dann aber im zweiten Teil einen eher wenig betretenen Pfad ein und wird merh und mehr zu einer esoterischen Reise. Diese ist zwar immer noch in einem Stil geschrieben, der mich am Ball bleiben lässt, ich finde das aber so abgedreht, dass sich in mir immer wieder alles geperrt hat und ich für diesen Teil dann deutlich länger gebraucht habe. Dadurch hat ein eigentlich spannendes Buch dann wirklich zwei Sterne verloren (eigentlich 1,5 aber ich kann ja nur runden), und ich empfehle den Roman eingeschränkt begeistert weiter. Immerhin keine Nazis, also eine Steigerung zu Dan Simmons.

[Rezensionsexemplar] Jan-Philipp Sendker - Das Geheimnis des alten Mönches

»Ich habe Burma seit 1995 mehrere Dutzend Male bereist, und bei den Recherchen für meine Romane Das Herzenhören und Herzenstimmen wurden mir immer wieder Märchen und Fabeln erzählt. Zum einen waren das bewegende Geschichten, die von dem mythologischen Reichtum der verschiedenen Völker Burmas erzählten, von der Spiritualität der Menschen und wie tief buddhistisches Denken die Gesellschaft über Jahrhunderte geprägt hat. Andere waren so fremd und skurril und kamen ohne eine sich mir erschließende Moral aus, sodass ich sie gar nicht einordnen konnte. Wieder andere erinnerten mich an die Märchen meiner Kindheit, nur dass hier Affen, Tiger, Elefanten und Krokodile die Fantasiewelt bevölkerten statt Igeln, Eseln oder Gänsen. Die Lehren, die sie vermitteln wollten, ähneln denen der Brüder Grimm oder Hans Christian Andersens und ich verstand, wie sehr sich alle Kulturen in ihren Mythen aus dem universellen Fundus menschlicher Weisheit bedienen.«

Ich hatte mir dieses wunderschöne Rezensionsexemplar beim bloggerportal gewünscht und mich schon beim Auspacken gefreut über ein Buch, das nicht nur neu riecht, sondern sofort Lust macht, es aufzuschlagen, weil bereits das Titelbild fasziniert. Jan-Philipp Sendker hat hier eine Anthologie zusammengestellt, die mich als Leser ganz tief einführt in eine völlig andere Denkweise und Lebensart, und nirgendwo zeigt sich das vielleicht deutlicher als in den Märchen und Fabeln. Ja, bestimmte Versatzstücke ähneln einander, andererseits aber gibt es so deutliche Unterschiede zwischen dem christlichen und dem buddhistischen Denken, dass ich beim Lesen immer mal wieder untebrechen musste, um das zu überdenken.

Ich kann nicht genau bewerten, inwieweit Sendker die Geschichten selbst erzählt oder es sich um die typische Märchensprache Asiens handelt, aber ich kann zumindest sagen, dass diese Sprache einen gewissen Zauber hat, den ich bei den klassischen europäischen Märchen auch empfinde. Lyrisch und mitfühlend, würde ich es bezeichnen. Auch das ermögliht natürlich einen gewissen Einstieg in die Kultur, wenn man kennenlernt, wie Menschen miteinander sprechen und agieren. Da hilft es auch ein wenig, wenn Sendker zumindest am Ende einen kleinen Ausblick gibt, welche Veränderungen die Gesellschaft in Myanmar prägen.

Alles in allem ist das ein Buch, das mein Regal sehr sehr lange begleiten wird. Ich bin immer noch fasziniert und beeindruckt. Vielen Dank, dass ich das lesen durfte :-)

[Rezensionsexemplar] Charlie Lovett - Der Buchliebhaber

Arthur Prescott ist glücklich mit seinem Leben im beschaulichen Barchester. Er unterrichtet an der Universität und verbringt seine Freizeit am liebsten in der Bibliothek der Kathedrale, deren Geschichte er recherchiert. Doch ausgerechnet seine wichtigste Quelle, das ›Buch der Ewolda‹, gilt als verschollen. Seit Jahren sucht Arthur vergebens nach dieser mittelalterlichen Handschrift, als nun auch noch ein Eindringling seine Arbeit stört: Die junge Amerikanerin Bethany ist nach Barchester gekommen, um die Bestände der Bibliothek zu digitalisieren. Ein Sakrileg in den Augen des bibliophilen Arthur. Doch Bethany erobert schließlich nicht nur Arthurs Herz, sie hilft ihm auch, das Rätsel des verschwundenen Manuskripts zu lösen ...

Ich hatte mir dieses Buch ja vor allem als Rezensionsexemplar gewünscht, weil ich mal wieder Lust auf einen leicht altmodischen Liebesroman hatte, bei dem klar ist, dass er und sie sich treffen, sich verlieben und alles in einer hübschen rosa Wolke auspufft. Bekommen habe ich dann allerdings ein Buch, das eine irriterende Mischung aus "Indiana Jones" und "Stolz und Vorurteil" ist, mich aber zumindest auf einer langen Zugfahrt wirklich unterhalten hat, wenn auch mit einigen kleinen Abstrichen.

Zunächst einmal sei gesagt, dass der Klappentext unterschlägt, dass Charlie eigentlich eine ganz andere Suche hat. Nicht Geringeres als den Heiligen Gral will er finden und glaubt, dass dies in Barchester sein wird. Schließlich hat schon sein Großvater, der einst der Pfarrer der Kathedrale war, ihm das Versprechen dazu abgenommen und mysteriöse Andeutungen gemacht. Da stört Bethany mit ihrer sagen wir einml expressiven Art schon hier und da, vor allem, da auch sie mit Gralstheorien vertraut zu sein scheint. Also folgt man schon bald weniger einer Liebesgeschichte oder einem Buchliebhaber, sondern einem verhinderten Schatzsucher, der ganz wie üblich Rätsel löst und Spuren verfolgt. Das ist nicht ganz unsapnnend, allerdings auch wenig spektakulär, wie ich zugeben muss.

Ebenso flach wie der Handlungsstrang bleiben leider die Figuren, mit denen ich durch die Bank nicht warm geworden bin. Sie waren okay, aber keine von ihnen hat mich so beeindruckt, dass ich sie lange im Gedächntnis behalten werde. Arthurs "nur das gedruckte Buch ist wahre Kunst, nur Literatur verdient es, gelesen zu werden"-Attitüde ging mir nach einiger Zeit wirklich erheblich auf den Keks. Nett war die Episode im Ausschuss für die Universitätsbibliothek, aber ich finde ihn einfach unsympathisch in seiner Einstellung und könnte mich nicht lange mit ihm unterhalten, weil mich diese eingebildete Überheblichkeit abstoßen würde. Ebenso ist mir Bethany einfach zu plappernd, naiv und uninteressant in ihrem Charakter. Ein nettes Paar bilden sie ja, aber ehrlich, ich brenne nicht drauf, ihrer Hochzeit beizuwohnen. Alle anderen Figuren bleiben sogar noch blasser, sind vor allem Stichwortgeber oder wenig ausgereifte Nebenfiguren.

Das dritte, was mich beim Lesen ein wenig gestört hat, waren die ständigen Verweise in die Vergangenheit des Klosters und der Kathedrale, die im 7.Jahrhundert beginnen. Leider klangen diese Episoden, die knapp 1000 Jahre beinhalten, immer gleich und es fiel mir auch extrem schwer, diese Unterscheidung zwischen Kathedrale und Kloster immer im Auge zu behalten, weil d nie wirklich drauf eingegangen wurde, was das eigentlich für die Gegenwart bedeutet. Ein wenig wirkte es auf mich, als wollte der Autor hier halt Zeilen füllen, damit die Suche nach dem Ewolda-Buch auch gerechtfertigt wird, aber wäre es nicht vielleicht schön gewesen, das Geheimnis etwas früher zu lüften, dafür aber Atmosphäre damit zu schaffen? So war es manchmal ein wenig zusammenhanglos, es fing halt ein neues Kapitel an und das bedeutete, erst einmal ein Ausschnitt aus der Vergangenheit, diese Lösung hätte man besser gestalten können.

Würde ich das Buch empfehlen? Erstaunlicherweise durchaus, es ist ein runderherum netter Roman, der halt anders ist, als er verkauft wird, und der im Sommer absolut unterhalten kann.

Dienstag, 20. März 2018

[Buchgedanken] Sam Bourne - Der Präsident

Als die Bürger der USA einen unberechenbaren Demagogen zum Präsidenten wählen, hält die Welt den Atem an. Kaum jemand weiß: Bereits kurz nach Amtsantritt ordnet der Präsident fast einen Atomschlag an, nachdem ein Wortgefecht mit dem Machthaber von Nordkorea aus dem Ruder läuft. Eins ist den Mitwissern klar: Jemand muss etwas unternehmen, oder die Welt steht kurz vor einem dritten Weltkrieg. Ein Attentat scheint der einzige Ausweg ...

Ich hatte von dem Buch in einem BBC-Radiointerview gehört und es mir dann ziemlich direkt nach Erscheinen geholt. Das klingt ja auch einfach zu gut, ein Buch, bei dem die geschilderten Personen so deutlich ihre Vorbilder in der Gegenwart haben, dass selbst die Ausgangssituation - ein zu eskalieren drohender Aatomkonflikt mit Nordkorea - von der Realität eingeholt wurde (als das Buch geschrieben wurde, waren die Tweets noch nicht da). Und das erste Kapitel, in dem dieses sich gegenseitige Provozieren plötzlich überkocht und der Präsident den Knopf drücken will, war extrem spannend und ich dachte mir, was für ein geniales Buch das werden wird.

Dann habe ich weitergelesen.

Leider hat das Buch danach so ziemlich alles verloren, was es am Anfang aufgebaut hat, und das liegt an folgenden Dingen: nervige Personen, übertriebene Darstellung der Vorbilder, sprachliche Verschlechterung und eine Überstrapazierung des Deus ex machina in den letzten dreißig Seiten. Beginnen wir mit Punkt eins und zwei in Kombination. Selbstverständlich sind Donald Trump und Mike Pence hier gemeint (das deutsche Cover ist da noch weniger subtil als das englische) und leider hatte ich ab Kapitel zwei wirklich dauerhaft das Gefühl, dass über dem Kopf dieses Vizepräsidenten und des nicht direkt auftretenden Präsidenten eine Las-Vegas-Leuchtreklame angerbacht ist, die in großen blinkeden Buchstaben mitteilt: "Hier, das ist eigentlich ... Seht ihr, das ist wie ... Hey, habt ihr schon gemerkt, dass ich hier ... meine?" Mit der Zeit wurde das ein wenig sehr langweilig, auch wenn man naürlich am Anfang vor allem sehr fasziniert der Frage nachgeht, was von den ganzen Handlungen vielleicht tatsächlich so stattfindet gerade. Abeer je länger das Buch voranschreitet, desto platter werden diese beiden Figuren gezeichnet und desto mehr sind sie quasi die Teufel in Menschengestalt, nationalistisch, alt-right und sexistisch, Ich hätte nie gedacht, dass ich mal sage, dass ich selbst Trump für subtiler halte als dieses Abziehbild, das mir hier präsentiert wird.
Als Gegenspieler herhalten müssen dann zwei Figuren, die meiner Meinung nach platter nicht sein können: hier der Stabschef, Patriot und der festen Überzeugung, der Welt einen tiefen Dienst zu erweisen, wenn er den Präsidenten beseitigt, und dort Maggie Costello, die Kämpferin für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit, die ihre Stelle nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenen behalten hat, um etwas Gutes tun zu können. Und boah, was nervt mich diese Heldin des Alltags mit ihrem ständigen Selbstzweifel und ihrem beharrlichen "aber wenigstens kann ich versuchen, etwas dagegen zu halten". Beide Charaktere sind mir persönlich einfach nicht sympathsich, weder in ihren Motiven noch in ihren Verhalten, und leider zeigt mir der Autor keinerlei tieferen Ansichten von ihnen. Sie sind oberflächlich gehaltene Antagonsiten, damit ich als Leser möglichst schnell Standpukte verstehe und deren Handlungen akzeptiere, aber genau das bräuchte ich bei deiesem Buch nicht. Ich hätte gerne Leute, die wirklich denken und ihre Handlungen hinterfragen sie schlüssig erklären etc.

Ebenso schablonenartig wie die Figuren entwickelt sich die Sprache im Buch. Vor allem die Dialoge zwischen Ben und dem ausgesuchten Schützen lassen so jeden Elan des Autors vermissen, seine Leser zu fesseln. Aber auch sonst sind Dialoge, die einen wirklichen großen Teil des Buches ausmachen, einfach nicht authentisch, sondern oft sehr klischeelastig, sehr erzählend - allen voran das telefongespräch zwischen Maggie und ihrer Schwester - und einfach nicht überzeugend. Mir fehlte in der Mitte dann fast der Wille zum Weiterlesen, weil ich mich so geärgert habe - Stichwort Emails, die sich dermaßen im Klischee verlieren, dass man glaubt, eine Satire zu lesen.

Ja, und dann das Ende. Ich hab ja nichts dagegen, wenn ein Deus ex machna bedient wird, damit ein Ende geschilddert werden kann, dass den Leser befriesigt zurücklässt. Aber in dem Fall ist es der deus ex deus ex deus ex deus ex machina, eine überrachende "hey, was für ein Zufall"-Wendung nach der anderen, die ein "alles gut, sehr ihr"-Ende herbeizaubert, das einfach nicht realistisch ist. Und darüber ärgere ich mich am meisten, dass Sam Bourne diese Idee in eine Serie eingebaut hat, die dafür gesorgt hat, dass er am Ende alles gut ausgehen lassen muss, um die Serie forsetzen zu können. insgesamt war "Der Präsident" eines der Bücher 2018 über die ich mich beim Lesen wirklich geärgert habe und bei dem ich froh bin, es abgeben zu können.

Dienstag, 13. März 2018

[Rezensionsexemplar] Jorge Galán - Mein dunkles Herz

Im Hinterzimmer eines Hauses, das sich langsam mit den Schatten der Vergangenheit füllt, erzählt Magdalena ihrem Enkel die Geschichte ihrer Familie, die Geschichte eines Jahrhunderts. Sie erzählt von dem Fluch, der ihr Leben geprägt hat, und wie sie ihren Mann Vicente, der auf wundersame Weise gezeugt wurde, auf ebenso wundersame Weise kennenlernte. Es ist die Geschichte einer intensiven Liebe, die viele Jahre später an einer großen Tragödie zerbricht – einer Tragödie, die dafür sorgt, dass Magdalenas Enkel der Letzte einer Geschichte ist, die lange vor ihm begann, und dass es an ihm ist, sich aufzumachen, seine eigene Erzählung zu finden ...

Diese Rezension schiebe ich jetzt schon einige Wochen vor mir her. Denn nicht viele Dinge machen mir eniger Spaß, als ein Rezensionsexemplar gratis vom Verlag zu bekommen und dann festzustellen, dass dieses Buch und ich einfach keine Freunde werden. Hab ich jetzt einfach ein Buch abgestaubt? Wie kann ich deutlich machen, dass ich mir wirklich Mühe gegeben habe? Mit diesen Fragen habe ich mich jetzt so lange beschäftigt, bis ich das Gefühl hatte, es jetzt einfach versuchen zu müssen. Im Prinzip ist der Grund, warum ich das Buch nicht so richtig mochte, mit einem kurzen Satz gesagt: Jorge Galán und ich, das passt einfach nicht.

Bereits mit den ersten Seiten des Buches war klar, dass Galán zu der Tradition südamerikanischer Erzähler im Stil eines Gabriel Garcia Marquez gehört. Was das bedeutet? Kurz gesagt, zumindest für mich: Verwirrend-absurde Familiengeschichten, die eine tiefe Bedeutung transprtieren, und sich dabei in wunderschönen Sätzen verlieren, die mir Seite für Seite ein größeres Fragezeichen aufs Gesicht malen. Ich habe Literaturwissenschaften studiert, ich kann Romane also durchaus anylsieren, aber ich muss ehrlich zugeben, dass spanische Erzähler sich da bei mir regelmäßig sperren. Ich verstehe sie einfach nicht und bei jeder Handlung, die erzählt wird, frage ich mich, ob das jetzt eine Metapher oder ein Motiv sein soll, ohne aber je zu einer Antwort zu gelangen. Alles, aber auch alles erschint so völlig over the top, sei es die Zeugunsgeschichte Vicentes am Anfang (ging es nicht ein wenig "normaler", musste es wirklich der 93-Jährige sein, der nun die 20-Jährige zum dritten Male schwängert und deren Kinder an ihrem sechsten Geburtstag mysteriös sterben außer eben jener Vincente?), oder Magdalenas übernatürliche Begabung oder die gesamte Erzählung rund um Teresa und ihr Floß ... alles ist hinter einer meterdicken Schicht aus "dies ist wichtig dies ist eine symbolische Handlung" verborgen, dass ich nicht mehr durchdringen kann. Dazu dann eben die Sprache, die zwar wirklich schön klingt, vor lauter Bedeutsamkeit für mich aber sämtliche Bedeutung verliert. Wenn um mich herum nur noch Schilder mit "Achtung, wichtig!" stehen, verliere ich den Überblick, und genauso fühle ich mich beim Lesen dieses Buchs: allein auf weiter Flur ausgestattet mit einem Plastikkompass ohne Nadel und einem Stadtplan, der auffallende Ähnlichkeit aufweist mit dem Schnittmuster eines Wintermantels. Ich habe tapfer Seite um Seite des Romans gelesen, aber ich habe es weder geschafft, mir zu den Personen ein Bild zu machen, noch ihre Motive erkennen zu können oder eine wie auch immer geartete Beziehung aufzubauen. Ein bisschen so wie bei den Gemälden von Velazquez - da, schon wieder ein Spanier - die sehen natürlich wunderschön aus, aber wirklich lebendig wirkt keine der Figuren auf mich. Und genau dieses Gefühl habe ich bei "Mein dunkles Herz" während des Lesens dauerhaft gehabt, dass da keine Lebendigkeit im Buch steckt, sondern nur "Literatur", die ich nicht greifen kann.

Das Buch ist mit Sicherheit nicht schlecht. es ist literarisch höchst anspruchsvoll und war eine mehr als willkommene Abwechslung in meinem Lesealltag. Aber es war einfach keine angenehme Lektüre, sondern ein einziges Fragezeichen.

Donnerstag, 8. März 2018

[Top Ten Thursday] 10 Bücher mit ungewöhnlichem Schauplatz

Jede Woche wird durch eine Truppe Blogger eine neue Top Ten Liste zusammengestellt, dessen Thema sich inzwischen die Weltenwanderin einfallen lässt. Wir wagen ene Scuhe durch unsere Bücherregale, unserer SUBs, unsere Wunschlisten, und im Idealfall wachsen dadurch die Buchberge aller anderen an. Genauere Infos und die Themen dazu findet ihr *hier*, jede Beteiligung ist willkommen.
Die Aufgabe für diese Woche heißt:

Zeige 10 Bücher, die an einem ungewöhnlichen Schauplatz spielen.

Das ist wirklich spannend und ih bin ehrlich gespannt, was sich bei euch so in den Listen herumtreibt! Ich habe mein Regal auf den Kopf gestellt, um wirklich ungewöhnliche Schauplätze zu finden, die nicht in jedem zweiten Buch auftauchen, und klar, ein paar davon habe ich direkt gefunden. Allerdings hat mich fast schon erschreckt, wie wenige ungewöhnliche Schauplätze es bei mir im Regal zu geben scheint, entweder bin ich zu konventionell oder viele Autoren trauen sich einfach nicht, außerhalb der eigenen Komfortzone zu schreiben.

Spielen wir heute doch mal ein Spiel. Schaut euch die Bilder an und versucht erstmal, die Schauplätze dem Buch zuzuordnen. Allzu schwer dürfte es nicht sein ;-)




In einer Filiale der Restaurantkette "Red Lobster" am letzen Abend vor der Schließung spielt Stewart O'Nans "Letzte Nacht", und was sehr langweilig klingt ist eine tolle Studie über Kleinstadtleben, Hoffnungen und zerstörte Träume. In einem "Boot Camp" findet sich Connor in Morton Rhues gleichnamigen Roman wieder, wo er nach dem Wunsch seiner Eltern auf Linie gebracht werden soll. An Bord der Nautilus nimmt Jules Verne seinen Leser mit auf eine atemberaubende und spannende Reise "20.000 Meilen unter dem Meer", die selbst 150 Jahre nach ihrem Erscheinen noch absolut lesenswert ist. Das Weiße Haus ist Schauplatz von "To Kill the President", einem brandaktuellen, brisantem und leider Gottes echt schlechten Thriller von Sam Bourne. "Der Friseur von Harare" von Tendai Huchu findet sich natürlich in einem solchen Friseurgeschäft, wo man vor allem über den Alltag in Zimbabwe erfährt. Den Vatikan bereist hat man ja schon einmal mit Dan Brown, aber Robert Harris konzentriert sich in "Konklave" einzig und allein auf den abgesperrten Bereich des Vatikansaats während einer solchen Papstwahl. Niemand anders als Neil Gaiman würde vermutlich ein Kinderbuch schreiben, das auf einem Friedhof spielt und kongenial das Dschungelbuch paraphrasiert - kein Wunder, dass es dann auch "The Graveyard Book" heißt. Definitiv ein selten gebrauchter Schauplatz ist der Mars, den Andy Weir in seinem absolut hervorragenden "Der Marsianer" gewählt hat, um nicht nur unterhaltsame Science Fiction zu schreiben, sondern dem Leser so ziemlich alles lebenswichtige über Chemie, Biologie, Biochemie und Physik zu vermitteln, sollte er jemals in die Lage kommen, auf dem Mars Kartoffeln anbauen zu müssen. "Wasser für die Elefanten" von Sara Grun ist eine tragische Geschichte über das Leben, die Liebe, den Zirkus und ja, auch Elefanten, der in einem Kleinzirkus der Zwischenkriegszeit spielt. Mit "Schiffbruch mit Tiger" hat Yann Martel gleich zwei ungewöhnliche Schauplätze gewählt - ein kleines Boot auf dem großen Ozean. Ein Junge. Ein Tiger. Viel Philosophie. Und ein wunderbarer Roman.

Das sind also meine zehn Romane. Ich bin gespannt, ob wir Gemeinsamkeiten haben, ob ihr ganz andere gefunden habt, und vor allem, wer esgeschafft hat, wirklich auf 10 zu kommen. :-)

Samstag, 3. März 2018

[Ich war noch niemals in New York] Auswertung für Februar

Ein wenig verspätet, da ich seit Mittwoch ein wenig im Schulstress war, aber jetzt habe ich es geschafft und eine Asuwertung für den Februar vornehmen können.
Auch diesen Monat haben sich die Leserinnen nicht lumpen lassen und speziell unsere Anführerin liegt mit 16 insgesamt gelesenen Büchern schon ziemlich weit vorne. Aber hey, wir haben ja noch zehn Monate, um die Verfolgung aufzunehmen. Mein Vorsatz für März lautet, jetzt mal wirklich Bücher in den USA zu lesen statt in allen anderen Ländern ;-)

Und hier also unsere Ergebniss für den Februar:

Ponine von nichtnocheinbeautyblog  28
Nicole von Zeit für neue Genres   31
Kerstin von Wörterkatze   0
Selina von Fräulein Lovingbooks   65
Hibi von in the prime time of life   10
Sally von like-jackandsallybooks   13
Eva   0
Chantal von Bookwonderland   41
Christine von Zauberhafte Bücherwelten   67
Martina von Martinas Buchwelten   23
Daggi von Daggis Welt   18

Donnerstag, 1. März 2018

[Top Ten Thursday] 10 Bücher, die mit V beginnen

Jede Woche wird durch eine Truppe Blogger eine neue Top Ten Liste zusammengestellt, dessen Thema sich inzwischen die Weltenwanderin einfallen lässt. Wir wagen eine Suche durch unsere Bücherregale, unserer SUBs, unsere Wunschlisten, und im Idealfall wachsen dadurch die Buchberge aller anderen an. Genauere Infos und die Themen dazu findet ihr *hier*, jede Beteiligung ist willkommen.
Die Aufgabe für diese Woche heißt:

Zeige 10 Bücher, die mit V beginnen.

Hach, wie schön. Ich bin ja ein Fan der ABC-Aufgaben, auch wenn ich vermute, dass es heute viele ähnliche Bücher geben wird. Ich habe mich also mal wieder durch mein Bücherregal gesucht und einige Bücher drin gefunden, die alle mit V anfangen (außer vielleicht, wenn davor ein der, die oder das steht :-) Die Herausforderung war allerdings, zehnmal Lesestoff zu finden, den ich empfehlen kann, denn ich habe festgestellt, dass ich Bücher wie "Das verlorene Symbol" oder "Verblendung" von Stig Larsson nicht wirklich mag. V scheint ein interessanter Buchstabe zu sein, und heut ehabe ich tatsächlich auch wieder den Beweis für mich entdeckt, dass ich in allen meinen Büchern wirklich was gelernt habe :-D


Wer immer schon einmal eine Zeitreise in den amerikanischen Bürgerkrieg machen möchte, kann sich vorab bei "Vom Winde verweht" über die Dos and Don'ts der Zeit informieren, denn glaubt mir, das Buch ist mit deutlich mehr vollgepackt als einem extrem nervigen Liebespaar. Ich bin ja ein großer Fan von Jussi Adler Olsens Serie um das Sonderdezernat Q, aber "Verachtung" ist meiner Meinung nach der beste Teil davon, vor allem wegen der historischen Hintergrundgeschichte, die man selbst in Dänemark nicht wirklich kannte. Etwas weniger beeindruckt hat mich dagegen "Die Vergessenen" von Ellen Sandberg, da mir hier beide historischen Hintergrundhandlungen - vor allem in Griechenland - einfach zu schnell reingepackt wurden und der männliche Protagonist echt klischeehaft und absolut nervig war. Begeistert vom Plot, aber nicht von den Figuren, war ich bei Bernhard Schlinks "Der Vorleser". Einiges gelernt über die Entwicklung von Medizin habe ich in Kate Mortons "Der verborgene Garten", aber auch sonst war es natürlich ein wunderschönes Buch einer meiner Lieblingsautorinnen. Lieblingautorin Nummer 2 ist Rebecca Gablé, die den Leser in "Von Ratlosen und Löwenherzen" mitnimmt auf einen rasanten Trip quer durch 500 Jahre englisches Mittelalter. "Vergessene Welt" von Michael Crichton ist nicht einfach nur ein paar Dinos, die Menschen fressen, sondern eine unglaublich spannende Diskussion über Evolutionstheorien - denn ja, es gibt ein paar mehr als die von Darwin, die auf ebenso wissenschaftliche Erkenntnisse zurückgehen. Mehr über sich selbst und seine Einstellung zu ethischen Fragen lernt man auf jeden Fall bei Ferdinand von Schirach in seinen Kurzgeschichten in "Verbrechen", bei denen die Frage nach Schuld und Ursache nicht immer beantwortet werden kann. Noch stärker seine eigene Moral hinterfragen lernt man, wenn man sich auf Friedrich Dürrenmatts "Das Versprechen" einlässt. Und zum Abschluss, einfach weil man manchmal die Fragen stellen muss, die wirklich wichtig im Leben sind, ein absoluter Klassiker: "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat".

Na, was sind eure Favoriten mit V? Haben wir Gemeinsamkeiten? Welche Bücher gehören bei euch unbedingt zum V? Wir lesen uns dann in den Kommentarspalten ;-)
 

Sonntag, 25. Februar 2018

[Bilinguales Lesen] Oi Frog!

Da mein Kleinkind bilingual aufwächst, habe ich die wunderschöne Gelegenheit, nicht nur deutschsprachige Kinderbücher kaufen zu dürfen, sondern auch noch andere Bücher wählen zu können. Die inzwischen dreiteilige Serie "Oi Frog!" von Kes Gray und Jim Field ist im Moment mein absolutes Highlight, auch wenn das Kind noch nicht wirklich versteht, warum Mummy und Daddy sich beim Vorlesen wegschmeißen vor Lachen.

"Oi Frog!" ist schnell erzählt. Die Katze erklärt dem Frosch sehr bestimmt, dass er in Zukunft auf einem Baumstamm sitzen muss, denn "Frogs sit on logs, it's that simple." Egal, welche Sitzgelgenheit der arme Frosch, der keine Splitter im Po riskieren will, auch vorschlägt, nach der Katzenlogik sind alle schon von anderen Tieren besetzt.

Die Bücher zeichnen sich durch eine wahnsinnige Lust am Reimen aus, selbst für das ungewöhnlichste Tier findet sich hier ein Plätzchen, und machen damit älteren Kindern wahnsinnig Spaß beim Vorlesen. Selbst Nicht-Englischspachler haben ganz schön Vergnügen, habe ich festgestellt, als die Kinder meiner deutschen Freundin das Buch Weihnachten entdeckt und vorgelesen bekommen haben. Kleiner finden vor allem die einfachen Zeichnungen gut, bei denen es aber viel zu entdecken gibt, und mich faszineren vor allem die Gesichtsusdrüke von Frosch und Katze, die sich gegenseitig zu übertrumpfen versuchen.Leider wird das Buch auch genau deshalb vermutlich nie auf deutsch übersetzt werden, denn der gesamte Wortwitz ginge dabei verloren, und deshalb dachte ich, ich eröffne einfach mal eine eigene Kategorie über Bücher für bilinguale Leser, die man in Deutschland nicht finden würde.