Montag, 28. Dezember 2015

[Rezensionsexemplar] Tomas Bannerhed - Die Raben

Småland in den 70er Jahren: Vögel sind Klas‘ Leidenschaft, er ist ein Vogelbeobachter. Ihr Flug ist für ihn wie eine Verheißung von Freiheit, tage- und nächtelang hält er nach ihnen Ausschau, lauscht ihren Rufen. Klas liebt die Vögel, weil er so wenigstens für kurze Zeit der schweren Feldarbeit und seinem schwierigen, zunehmend irrer werdenden Vater entfliehen kann. Klas soll später einmal den Hof übernehmen. Aber seine Träume sehen anders aus. Er sucht die Einsamkeit der Wälder und begeistert sich für die Eleganz von Raben. Spricht das für seinen eigenenen Irrsinn?

 Ich hatte das Buch schon vor einiger Zeit als Rezensionsexemplar über das bloggerportal bekommen, dann angefangen, es wieder weggelegt, wieder angefangen - und irgendwie hatte ich nie die Muse, weiterzulesen. Das Buch ist, das kann man nicht anders sagen, sprachgewaltig - und gerade seit Oktober war ich einfach nicht in der Lage, wirklich konzentriert an einem Buch zu lesen, sondern permanent abgelenkt. Die Zeit im Krankenhaus konnte ich dann nutzen, um endlich mal das Buch über Seite 20 hinaus zu lesen und ich wurde nicht enttäuscht. Es ist eine sehr eigenwillige Geschichte, in der vor allem die Sprache sehr extrem auf den Leser wirkt. Man sieht förmlich die öden Landschaften vor sich, denen Klas entgehen will, man spürt die Verzweiflung am langsamen Wahnsinn seines Vaters in jeder einzelnen Zeile. Das hat es mir aber auch sehr schwer gemacht, wenn ich ehrlich sein soll, denn ich zumindest muss sehr konzentriert bei solch sprachgewaltigen Büchern lesen und verliere oft ein wenig die Lust, weiterzulesen, wenn die Geschichte nicht hochgradig spannend ist. Und genau das war es dann, was bei diesem Buch den Ausschlag gegeben hat, dass ich nicht völlig begeistert war - mir war es zu viel Erzählen und zu wenig Handlung, zu viel literarischer Hochgenuss, der eltztlich wenig Geschichte voranträgt, um am Ball zu bleiben und das Buch zu einem totalen Highlight meines Lesejahres werden zu lassen.

[Buchgedanken] Peter S. Beagle - Das letzte Einhorn und Zwei Herzen

Das Einhorn lebt in inem grünen Wald und bislang ist sein Leben in Ordnung. Bis es zwei Jäger belauscht, die sich darüber unterhalten, dass es keine Einhörner mehr gibt. Ist es wirklich das letzte Einhorn? Was ist mit allen anderen passiert? Auf seiner Suche nach der Antwort trifft es auf den Zauberer Schmendrick und die Räuberin Molly Grue, die es begleiten an den Hof des Königs Haggard. Denn er und sein roter Stier sollen daran Schuld sein, dass die Einhörner verschwunden sind ...

Jeder, wirklich jeder, kennt den Zeichentrickfilm von 1982. Dass es eine literarische Vorlage dafür gibt, ist allerdings an sehr vielen vorbeigegangen, so auch an mir. Erst dank der Blogverlosungen zum Welttag des Buches 2014 habe ich davon erfahren, denn damals habe ich das Buch gewonnen, und seitdem steht es ungelesen in meinem Schrank. Passend zur Lesenacht habe ich dann nach einem eher kurzen Buch gesucht, das mir die Nacht versüßen könnte, und wurde hier wieder fündig. Und in der Tat ist die Geschichte "Das letzte Einhorn" fast noch besser als der Film. Zum einen sind die Figuren hier nicht ganz so eindimensional. Insbesondere Schmendrick ist weit entfernt von dem dummen Jahrmarkstzauberer, der mal zufällig Glück hat, sondern ein sehr undurchschaubarer Charakter. Haggard, der bei mir einfach so fest verknüpft mit Christopher Lee ist, dass ich seine Stimme permanent im Ohr hatte, und Lír sind zwei interessante Persönlichkeiten, die auf die Existenz des Einhorns ganz unterschiedlich reagieren. Besonder gefallen hat mir der Humor, der gelegentlich beim Erzähler durchblitzt, der ähnlich wie z.B. in "Die Brautprinzessin" seine Fantastik nicht nur ernst nimmt, sondern auch mal augenzwinkernde Anmerkungen machen kann. Ein tolles Buch also - aber warum dann nicht volle Begeisterung?

Blöderweise ist in dem Buch noch eine andere Geschichte enthalten, nämlich "Zwei Herzen", eine Fortsetzung durch Peter S. Beagle aus dem Jahr 2005. Naja, was heißt Fortsetzung Nur weil dieselben Personen auftauchen, ist es noch lange keine Forstezung - das ganze liest sich eher wie ziemlich nervige Fanfiction. Erzählt wird aus der Sicht der neunjährigen Zoot, in deren Dorf ein Greif Kinder tötet und die sich aufmacht, den König Lír zu holen. Dabei trifft sie Schmendrick und Molly. Und das Einhorn darf auf den letzten drei Seiten acuh mal durchs Bild huschen - ich weiß nicht. Die Sprache ist deutlich schwächer, die Geschichte viel zu kurz um mich wirklich in den Bann zu ziehen (50 Seiten nur) und ich frage mich, warum sie überhaupt existiert? Eine so unnütige Form der Forstetzung habe ich selten erlebt. Das dann noch gepapart mit dem extrem unpassenden Titelbild machte das Buch leider nicht mehr ganz so gut in der B-Note, obwohl die ersten 250 Seiten wirklich, wirklich toll sind!

[Buchgedanken] Hans Fallada - Kleiner Mann - was nun?

Johannes Pinneberg ist ein kleiner Angestellter, der sich 1930 eher schelcht als recht durchschlägt. Und dann wird seine Freundin Emma, genannt Lämmchen, plötzlich schwanger, die beiden heiraten und müssen nun gemeinsam durchkommen. Als Pinneberg seine Arbeit in Mecklemburg verliert, ist es Lämmchen, die Kontakt mit seiner Mutter in Berlin aufnimmt, sodass er als Verkäufer in der Oberbekleidungsabteilung des Kaufhauses Mandel unterkommt. Das Leben ist nicht einfach und der Lohn immer geringer, bis Pinneberg sich schließlich einreihen muss in das Arbeitslosenheer Berlins ...

Neben "Der Trinker", das immer noch angefangen auf meinem SUB liegt (weil es mich zu sehr erschüttert), ist "Kleiner Mann - was nun?" das berühmteste Buch von Hans Fallada. Sehr lange habe ich es nicht gelesen und dann zur Hand genommen, weil es in dem Buch über die Weimarer Republik erwähnt wurde. Jetzt ärgere ich mich fast, dass ich es nicht früher gemacht habe :-)

Hinter dem Buch verbrigt sich keine große Gesellschaftskritik, wer das erwartet, der ist hier defiitv an der falschen Adresse. Selbstverständlich zeigt Fallada mit Hilfe von typischen Figuren die Lebensumstände der Umbruchsjahre in der Weltwirtschaftskrise auf. Da sind windige Figuren wie Mutter Pinneberg und ihr Lebensgefährte, die zwa einerseits für dei Familie einstehen, andererseits immer ihre eigenen Ziele zu verfolgen scheinen. Vor allem aber der Druck des Alltags auf den "kleinen Mann" und die eiserne Sparsamkeit in der Haushaltsführung werden von Fallada immer wieder thematisiert. Sei es durch den "Normal-Etat", den Lämmchen aufstellt und der dem Leser von heute das Gefühl vermittelt, wieviel oder wenig tatsächlich das Geld in der Wirtschaftskrise wert war, sei es auch durch die Darstellung des Arbeitsalltags für Pinneberg, der unss heute vielleicht auch wieder bekannt vorkommt.

Am meisten beeindruckt hat mich, dass Fallada trotz allem durch die Figur von Lämmchen einen gewissen Optimismus in der Geschichte beibehalten kann. So schlimm kann es nicht sein, solange die beiden wenigstens beieinander bleiben - letztlich ist das Buch eine Parabel über die Liebe in schwierigen Umständen. Ein Buch, das Hoffnung macht, trotz aller schlechten Lebensumstände. Vielleicht braucht man zum Jahresende genau das :-)

Samstag, 26. Dezember 2015

[Buchgedanken] Rebecca Gablé - Das zweite Königreich

England 1064: ein Überfall durch dänische Piraten beendet die unbeschwerte Kindheit des jungen Cædmon. Sein Bein wird durch eine Verletzung steif und sein Vater entscheidet sich dazu, den verkrüppelte Sohn an den Hof des Herogs William in die Normandie zu schicken. Zwei Jahre später wird Cædmon mit William dem Eroberer zurück in seine Heimat kommen und dort vor eine unlösbar scheinende Aufgabe gestellt: als Mittler zwischen Eroberern und Besiegten soll er Normannen und Engländer helfen auszusöhnen. Keine leichte Aufgabe, ist William zwar durchaus ein netter Kerl, aber eben auch sehr leicht reizbar. Und dann verliebt sich Cædmon auch noch in die völlig falsche normannische Dame ...

Ich hatte sehr lange einen Bogen um "Das zweite Königreich" gemacht, weil die normannische Zeit in England nicht grade mein Steckenpferd ist. Hundert Jahre später - alles super, aber diese Schlacht von Hastings muss einfach nicht sein bei mir. Nichtsdestotrotz hatte ich den Dezember dank Sehnerventzündung und eineinhalb Wochen Krankenhaus Zeit, um mich mal wieder ganz den dicken Büchern in meinem Regal zu widmen. Streckenweise musste ich mich wirklich durchkämpfen durch das Buch, dem man anmerkt, dass es ein eher frühes Werk der Autorin ist. Vor allem zwei Dinge habe ich hier zu kritisieren.

Da ist zum einen die Sprache, die noch nicht ganz so gefestigt ist und mir manchmal ein wenig zu oberflächlich geblieben ist. Auch die Beschreibungen waren zum Teil sehr sparsam, Handlungen wurden extrem gerafft, grade die Schlachten, die ja eigentlich einen Großteil der Geschichte ausmachen. Zum anderen hatte ich ziemliche Probleme damit, am Ball zu bleiben, weil sich im Buch doch sehr viel widerholt. Die ständigen Verhaftungen Cædmons zum Beispiel, das läuft sich irgendwann tot. Der Spannungsbogen ist eher eine Spannungswellenlinie, die deutliche Dopplungen aufweist, für mich waren es gut hundert Seiten zu viel (hätte ich auch nie gedacht).


Nichtsdestotrotz ist das Buch ein wahninnig guter historischer Roman, der das Ankommen und langsame Zusammenwachsen von Engländern und Normannen beschreibt. Extrem spannend sind die unterschiedlichen Charaktere der historisch verbürgten Figuren, die von Rebecca Gablé nicht einfach nur als Staffage gebraucht werden, sondern als Romanfigur Handlung vorantreiben oder auch mal blockieren, die wirklich leben dürfen und Lust machen, sich noch mehr mit ihnen zu beschäftigen. Mein smartphone ist bei der Lektüre gelegentlich heißgelaufen, weil ich wissen wollte, was aus Wulfnoth und Rufus wurde ;-) Lest ihn also trotzdem, und sei es, um quasi die Vorgeschichte der Warringhams zu erleben :-)

[Rezensionsexemplar] Marie Pellissier - Der tödliche Tanz des Monsieur Bernard

Am Abend nach der großen Premierenvorstellung zur Feier seines Jubiläums wird der Ballettdirektor der Pariser Oper tot am Fuß der Freitreppe gefunden. Zufällig ist gerade Lucie, die Gardienne vom Place de Vosges, in der Oper anwesend und wittert einen Mord. Feinde hat sich Guillaume Bernard zeit seines Lebens genügend gemacht, auch Lucies ehemaliger Schützling Amandine gehört dazu - Ehrensache also, dass Lucie selbst versucht, den Mörder zu finden, alleine schon, um von ihrem Aufapfel alle Spuren abzulenken ...

Es war meine erste Begegnung mit der Gardienne aus Paris, die eine Art franzsösische Miss Marpel darstellt. Ich muss ehrlich gestehen, auch wenn sich das Buch ganz nett lesen lässt, werde ich kein großer Fan werden. Ähnlich wie Miss Marpel ging mir Lucie nämlich ganz schön auf den Keks mit ihrer Art, sich in alles einzumischen. Besonders nervig empfand ich, dass in dem Buch effektiv viele Sachen schon dadurch ausgeschlatet werden könnten, wenn man einfach mal miteinander reden würde statt lindlings Akionen zu starten. Das betrifft Lucie genauso wie den Kommissar Legrand, der effektic als liebskranker Vollpfosten durch die Seiten stolpert (und ehrlich, dieses "oh, sie ist so engelsgleich"-Getue hat ein weiteres Augenrollen bei mir ausgelöst). Mal ehrlich, so werde ich persönlich als Leser eher weggetrieben - von charmanten Personencharakterisierungen wie ander Rezensenten habe ich hier wenig entdeckt.

Leider überschatten diese Charaktere auch die positiven Seiten des Buchs. Der Fall ist nämlich wirklich ganz nett wenn auch der Täter recht herbeigezauberte Motive hegt, und vor allem die Schilderungen der Pariser Ballettwelt haben mir gefallen. Statt zweimal die Geschichte vom Phantom der Oper nachzuerzählen wäre es vielleicht ganz nett gewesen, den ein oder anderen Fachbegriff im Register zu erwähnen, aber dafür hab ich ja mein Smartphone ;-) Auch die Aufmachung des Buches ist wirklich entzückend, insbesondere mit dem Stadtplan im Klappenumschlag oder dem sehr hübscg gestalteten Titelbild. Das Buch ist nicht schlecht, wer Miss Marple mochte, der wird auch Gardienne Lucie wirklich reizend finden ;-)

[Lesenacht] Weltenwanderers Lesenacht am 26.Dezember

Ich bin nur noch zwei Bücher von meinem Leseziel 2015 entfernt, 100 Bücher gelesen zu haben. Deshalb dachte ich, ich nutze doch mal den heutigen Tag, oder vielmehr die heutige Nacht, dem Ziel noch eins näher zu rücken. Deshalb mache ich bei Weltenwanderers Lesenacht mit und lasse, ganz getreu dem Motto Weihnachten mit einem guten Buch ausklingen :-)

Um ein wenig mehr Spaß zu haben, bin ich heute Abend nicht alleine, sondern habe mir ganz besondere Unterstützung aus England geholt. Gavin ist nicht nur der beste Mensch der Welt, sondern genauso bücherbegeistert wie ich. Und es hat nicht viel gebraucht, ihn dazu zu überreden, meinen Blog gelegentlich zu unterstützen im Bereich der englischen Rezensionen. Ja, ganz richtig, ab nächstem Jahr wird nichtnocheinbeautyblog international  mehr dazu verrate ich euch aber später ;-)

Ab 20:00 Uhr geht es hier also los und solltet ihr noch teilnehmen wollen, dann meldet euch doch einfach an ;-)

Die Fragen:


20:00 Uhr
Herzlich Willkommen! Ich freu mich, dass doch so viele nach dem "Weihnachtsstress"
die Zeit gefunden haben, uns gemeinsam durch den Abend zu lesen :)
Meine erste Frage: Was liest du heute? War das Buch ein Weihnachtsgeschenk
bzw. lagen denn Büchern unter deinem Baum? Wenn ja, welche?
Wie viele Seiten hast du dir für heute vorgenommen?
Ponine:
Guten Abend zusammen ;-) Heute gibt es bei mir zumindest erst einmal einen Klassiker, den ich beende, nämlich Hans Falladas "Kleiner Mann, was nun". Damit werde ich vermutlich bis zur nächsten Aufgabe schon fertig werden, also werde ich danach noch ein spontanes Buch lesen,ganz sicher, welches es wird, bin ich noch nicht. Wie immer: ich lasse es mir spontan aus dem Regal heraus zuflüstern.
Dieses Jahr habe ich so gar keine Bücher bekommen. Was einfach daran liegt, dass Weihnachten dieses Jahr bei uns sehr klein ausgefallen ist, da ich erst vor kurzem aus dem Krankenhaus entlassen wurde. So wirklich in Weihnachtsstimmung war dieses Jahr niemand hier und dementsprechend klein sind auch die Geschenke ausgefallen.

Gavin:

What will you read tonight? How many pages do you set as a goal?
Tonight I shall be reading "The Relic Guild" and I shall aim to read 250 pages by 12 o’clock tonight.

Did you get books for Christmas?
I got “Fragile Things” by Neil Gaimon, “More Fool Me” by Stephen Fry, “A Slip of the Keyboard” by Terry Pratchett and “Truths, Half Truths & Little White Lies” by Nick Frost









21:00 Uhr
Zweite Frage: Welchen Protagonisten aus deinem Buch hättest du gerne 
zum Weihnachtsfest eingeladen? Oder hätten sie allesamt das Fest gesprengt?
An welchem Ort oder in welchem Land befindest du dich in deinem Buch gerade?
Ponine:
Ich habe gerade "Kleiner Mann was nun?" beendet. Hmmm, hätte ichw irklich gerne jemanden aus diesem Kreis zum Weihnachtsfest gehabt? Lämmchen vielleicht, die eine patente Optimistin ist. Alle anderen Figuren dagegen sind in ihrem Egoismus oder iher Lamoryanz gepaart mit Egoismus wirklich nur schwer zu ertragen gewesen ... Obwohl, Heilbutt vielleicht, der wäre mit seinem Nudismus vielleicht ganz unterhaltsam gewesen ;-)  Ich befinda mich in Berlin zwischen 1930 und 1932.
So, ich geh mal schauen, was bei den anderen Blogs so los ist. Und danach widme ich mich dem letzten Einhorn, das Bch liegt schon so lange auf meinem SUB rum ;-)

Gavin:
Which protagonists from your book would you have had invited for Christmas dinner? Or would they have been a problem for party?
Well I’m not sure that any of them would be suitable. So far we have a well armed ageing bounty hunter with very loose morals who prefers his own company. An Empath who we last saw being frozen by an ice bullet, so she wouldn’t be very talkative…and an 18 year old whore who if she doesn’t take her medicine transforms into a wolf that has no qualms in slaughtering anyone who gets in her way.
In which town or country and which time-zone are you at the moment?
The book is set in The Labrys town, home to a humans at the centre of a enormous labyrinth inhabited by demons. The year is unknown and this is a fantasy realm.


22:00 Uhr
Kurz und schmerzlos Frage 3: Wie gefällt dir dein Buch bisher?
Beschreibe es mit 5 Adjektiven :D


Ponine:
Ich habe vor einer haleb Stunde mit "Das letzte Einhorn" angefangen. Es ist exakt wie der Film, wobei der irre Schmetterling sogar noch verrückter war als im Film ;-) Bisher wirklich schön zum Eintauchen und Sich-Erinnern, und ich freue mich schon auf das Auftreten von König Haggard, bei dem ich autmatisch Christopher Lees Stimme im Ohr haben werde.

bezaubernd - märchenhaft - fantastievoll - einfach - frühlingshaft

Gavin:
How do you like your book so far? Describe it with five adjectives.
So far I am enjoying The Relic Guild. Almost 100 pages in and there is still lots of scene setting and character building before the adventure starts proper. I like the world that is being built, it is easing me in, jumping back and forth between 40 years in the past and the present day of the story. We learn of a war that occurred those 40 years past and how it was won at great cost, but now it seems that it wasn’t a complete victory and the threat has returned. It seems to me that a lot of thought has gone into the creation of this fantasy world and it’s not just some Tolkien rip off. There are different races but not the usual Humans, Elves, Dwarves, Orcs. There is magic but it is forbidden and there are also firearms rather than the usual medieval fare of swords and bows.

Abstract
Oppressive
Foreboding
Immense
Mysterious

23:00 Uhr
Meine 4. Frage: Wie gefällt dir das Cover deines aktuellen Buches?
Ist dir das Cover wichtig oder achtest du bei der Buchauswahl überhaupt nicht darauf?

Ponine:
Das Cover von "Das letzte Einhorn" finde ich okay. Mir ist das Einhorn ein bisschen zu sehr Schlachtgaul und die Wolken finde ich ziemlich kitschig. Wegen des Covers hätte ich das Buc also eher nicht gekauft, dabei bin ich sonst ein totaler Cover-Fan und sehr viele Mängeleemplare stehe in meinem Schrank wegen des Covers oder des Titels. Ich verlasse mich erst an dritter Stelle auf den Klappentext, weil ich schon viel zu oft die Erfahrung gemacht habe, dass der mich in zehn Zeilen auf denselben Stand bringt wie zwei Drittel des Buchs. Schöne Cover dagegen lassen das Buch nahezu hundertprozentig in meine Einkaufstasche hüpfen ;-)

Gavin:
Do you like the cover of our current book? Are covers important for you?
I think it’s an interesting cover for sure, represented on the cover is an abstract of the great labyrinth as well as the magic which is so key to the story so far. I do not think that covers are particularly important to me though, I would never turn a book down based on the cover, I am much more interested by what’s inside and will always read the back rather than look at the cover. I wouldn’t be able to tell what this book was about by looking at the front, but there is enough information on the back to hook me in.

0:00 Uhr
Ihr habt ja sicher ein bisschen auf den anderen Blogs gestöbert ...
war da auch ein Buch für euch dabei? Oder kennt ihr ein schon, das ihr empfehlen könnt?
Würdet ihr euer aktuelles Buch weiterempfehlen?
Und ... seid ihr schon müde? :D


Maresa:
Gestöbert habe ich, aber ich habe kein Buch gefunden, das ich weiterempfehlen könnte. Und warum? Weil ich kein einziges davon kenne. Ich bin einfach nicht unterwegs in der Welt der Fantasy und YoungAdult-Romane ;-)
Meine beiden Bücher von heute würde ich definitiv weiterempfehlen, denn sie sind wirklich gut, wenn auch in ganz unterschiedlichen Genres. Ich hoffe, dass ich "Das letzte Einhorn" noch beenden kann vor Silvester, so dass ich wirklich mit 100 Büchern aufhöre.

Und ja, ich bin müde ;-)

Gavin:
Would you recommend the book you read now?
So far, yes I would, if you are into fantasy novels, interested in learning about new worlds and enjoy following small groups of determined and resourceful individuals pitted against world threatening dangers.
And I admit, I am a bit tired now, but I will keep rading until 12, which is 1 your time ;-)   
1:00 Uhr
Wie weit seit ihr denn mit eurem Buch gekommen? Habt ihr "genug" für heute geschafft?
Lest ihr noch weiter oder fallen euch schon die Augen zu?

Maresa:
Ich habe ein Buch beendet und beim letzten Einhorn habe ich gerade erlebt, wie Robin Hood heraufbeschworen wurde. Aber ich bin wirklich totmüde und mir fallen gleich die Augen zu.
Immerhin, ich habe es geschafft, alle Blogs zu kommentieren und freue mich, dass auch bei mir kommentiert worden ist :-)

Gavin:

How far did you come with your book? Is that enough? are you going read now or are you too tired?
I am 200 pages into the book and I want to read more and find out what happens, but it is late and so I will go to bed and continue tomorrow. I’ve enjoyed taking part in this tonight, thanks for reading :-)

Sonntag, 13. Dezember 2015

Challenges für 2016

Wahnsinn, nur noch zwei Wochen und dann ist schon wieder ein Jahr zuende. Und das heißt natürlich, dass es an der Zeit ist, wieder nach neuen Herausforderungen zu suchen, mit denen mein SUB abgebaut werden kann.

Zum ersten Mal were ich via goodreads an einer Challenge teilnehmen, nämlich an der Klassiker-Lesechallenge. Ich habe mir sowieso vorgenommen, endlich mal wieder mehr Klassiker zu lesen, nutzen wir also diese sehr spannende Gelegenheit, mal wieder an Thomas Mann zu scheitern ;-) Mein persöniches Ziel ist es, mindestens einen Nobelpreisträger zu lesen.




Extrem abwechslungsreich wird es mit Ein Jahr - 40 Bücher, auf die ich mich bereits riesig freue. Die beiden Organisatorinnen haben wieder 50 kniffelige oder weniger kniffelige Aufgaben zusammengestellt, die man paarweise erledigen muss. Wobei ich glaube, ichversuche es einfach mit dem guten alten "von oben nach unten"-Prinzip :-D

Und noch einmal rund um die Welt geht es bei der Weltenbummler-Challenge. Hier zählt einfach nur eines: der Ort des Buches. Ich hoffe, dass ich auf diese Weise mal wieder ein bisschen über meinen üblichen Horizont schauen kann und ruaskomme aus den USA, England und Deutschland ;-)

Samstag, 12. Dezember 2015

[Buchgedanken] Jojo Moyes - Weit weg und ganz nah

Jess Thomas arbeitet als Putzfru und Kellnerin, und dennoch reicht das Geld kaum aus, um sie und ihre beiden Kinder zu ernähren, seitdem ihr depressiver Ehemann sie vor zwei Jahren verlassen hat. Und dann bekommt ihre Tochter Tanzie eine unglaubliche Chance angeboten - ausgerechnet an einer renommierten Privatschule kann sie aufgenommen werden, wo ihre mathematische Hochbegabung gefördert werden würde. Vorausgesetzt, Jess kann das Schulgeld aufbringen. Kurzentschlossen packt sie das Auto voll und nimmt Kinder und Hund mit nach Schottlan dzu einer Matheolympiade, deren Preisgeld ihnen helfen würde - aber dann finden se sich plötzlich im Auto ihres Arbeitsgebers Ed wieder, der eignetlich selbst ganz andere Probleme hat, wird doch gegen ihn gerade wegen Insiderhandel ermittelt ...

Ich habe sehr lange einen Bogen um Jojo Moyes gemacht, weil ich immer befürchtet habe, ihre Bücher sind so ganz krasser Kitsch. Dann lag ich elf Tage lang im Krankenhaus und nachdem alle anderen Bücher durch waren, blieb nur noch "Weit weg und ganz nah" übrig, das ich mir noch als letztes eingepackt hatte. Vielleicht lag es an den Schmerzmitteln, die ich schlucken musste, aber ich habe das Buch tatsächlich in einem Tag einfach weggelesen. Klar ist es ziemlich vorhersehbar, dass das auf eine Liebesschnulze rausläuft, aber ich fand es ganz gelungen und mit sehr interessanten Charakteren gesprickt, die sich auf einem spannenden Roadtrip wiederfinden. Ich kann mir das Buch ziemlich gut verfilmt vorstellen, dann geht es ein weng in die Richtung von "Little Miss Sunshine", und mit einem guten Soundtrack versehen. Genau das habe ich auch beim Lesen gemacht und Musik dazu gehört - vielleicht laf es auch daran.

Die Handlugn der Geschichte ist nett konstruiert und lebt letztlich vom Aufeinanderprallen und Entwickeln von Charakteren. Ein sehr klassisches Roadmovie, bei dem am Ende letztlich alle geläutert nach Hause gehen und man als LEser einfach en gutes Gefühl behält. Vielleicht will man manchmal gar nciht mehr lesen - und dann sollte man auf jeden Fall hierzu greifen. :-)

[Buchgedanken] Max Rohde (Sebastian Fitzek) - Die Blutschule

Die beiden Teenager Simon und Mark können sich keine größere Strafe vorstellen, als den Umzug von Berlin in die brandenburgische Provinz, nachdem ihr Vater pleite gegangen ist. Im heruntergekommenen Haus seiner Kindheit will er jetzt wohnen und die sechs Wochen Sommerferien zum Einzug nutzen. Doch dann zieht nach einem Unfall das Böse in ihr Haus ein. Hat ihr Vater wirklich in den Seelenspiegel geblickt und dadurch seine Persönlicheit verändert? Mit einem Mal finden sich die beiden wieder auf einer alptraumhaften Insel, auf der die gezwungen werden sollen, zu töten ...

Uff, ganz schön schwerer Tobak, der da in dieses Buch gepackt wurde. Während Sebastian Fitzek in seinen Büchern zwar immer unwahrscheinliche, aber dennoch denkbare Szenarien verfolgt, bedient sein Alter Ego Max Rhode eher die Schiene des Horrors mit Fluchelement. Und so ist es auch ein jahrhundertealter Fluch aus einem Spiegel, der hier das Graauen auslöst - das ebenfalls deutlich blutiger daherkommt als alles, was man von Fitzek gewöhnt ist. Da wir gemetzelt und gemordet, wobei er nicht alle Details beschreibt (ein Glück, ehrlich gesagt) - und das ganze dann mit einem so offenen Ende versehen, dass es durchaus nachts kurzzeitig wachhält. Dieser Twist am Ende war mir persönlich allerdings fast schon zuviel des Guten, klar braucht man es für die Erzählsituation, aber trotzdem. Dass ich nicht wirklich begeistert vom Buch bin, liegt aber vor allem daran, dass es meiner Meinung nach einfach viel zu kurz ist und sich streckenweise wie ein Groschenroman liest. Die Figuren sind mal so gar nicht ausgefeilt, die wenigen Informationen werden einem einfach nur um die Ohren geknallt. Klar, das führt dazu, dass das Tempo im Buch ziemlich rasant fortschreitet, aber eben auch zu der Tatsache, dass hier wenig ausgefeilte Psychologie existiert. Hundert Seiten mehr hätten da einen wirklich guten Horrorroman draus gemacht. So ist er nett und schnell gelesen, wird sich aber sicher nicht dauerhaft in mein Gedächtnis einbrennen.

Freitag, 11. Dezember 2015

[Rezensionsexemplar] Uwe Klußmann/Joachim Mohr (Hrsg.) - Die Weimarer Republik. Deutschlands erste Demokratie

Die Weimarer Republik wird oftmals mehr als eine kurze Zwischenepisode betrachtet, die den Aufstieg des Nationalsozialismus ermöglichte. Natürlich sind fünfzehn Jahre, die mehrheitlich in innen- und außenpolitischen Krisen verbracht wurden, kein wirkliches Glanzstück für die deutsche Geschichte, doch war das System Weimar eben nicht nu schlecht oder von Vorneherein zum Scheitern verurteilt.

In diesem Buch versammeln sich eine Vielzahl kurzer Artikel zu den verschiedensten Aspekten der Weimarer Republik. Keienr davon ist wirklcih lang und alle sind im Stil so leicht verständlich, dass man als Leser auch bei eher außergewöhnlichen Themen bei der Stange gehalten wird. Dabei werden sowohl Kultur als auch Wirtschaft und Politik erörtert, es gibt Informationen über Einzelpersonen und über gesellschaftliche Zusammenhänge.

Was ich am Buch allerdings vermisst habe, ist eine eher wissenschaftliche Unterfütterung, insbesondere durch Fußnoten, und mehr Bildmaterial. Grade bei den Biografien war ich dann doch sehr häufig bei wikipedia unterwegs, um mal zu sehen, wer das überhaupt ist. Da könnte der Verlag wirklich noch nachlegen. Ansonsten aber ein ganz nettes Buch, mit dem man eine gute Einführung bekommt.

Dienstag, 8. Dezember 2015

[Rezensionsexemplar] Dan Simmons - Der Berg

Diese Rezension fällt jetzt ein wenig anders aus als andere. Sie ist ein offener Brief an Dan Simmons, den realen 1925Dan Simmons, und sie enthält - das vorneweg - einige Spoiler!!

Lieber Mr.Simmons,

als ich die Möglichkeit bekommen habe, mir ein Buch als Rezensionsexemplar auszusuchen, habe ich das VErlagsprogramm von Heyne durchsucht und bin bei Ihrem Buch sofort hängengeblieben. Denn das Buch, so steht es im Klappentext, spiel am Mount Everest. Sie sollten wissen, dass ich seit meinem 12 Lebensjahr zwei Helden habe, die Edmund Hillary und Tenseng Nrgay heißen. Ich konsumiere Bücher über den Everest wie andere Leute Süßigkeiten, und auch die Namen Irving und Mallory sind mir mehr als vertraut. Deshalb habe ich mich wahnsinnig gefreut, ein Buch lesen zu dürfen, das die missglückte Expedition von Mallory und Irving thematisiert ...

Ja, und dann begann das Drama. Zunächst einmal damit, dass mir aus nicht völlig nachvollziehbaren Gründen ein Gegenwartsplot geschenkt wird, in welchem ein Autor namens Dan Simmons die Bekanntschaft eines alten Herren macht, der ihm etwas über eine Südpolexpedition 1927 erzählt und ihm am Ende einige Notizen zukommen lässt, in denen er Dan Simmons erzählt, wie er 1925 gemeinsam mit einem Franzosen und einem Briten zu einer Mount-Everest-Expedition aufbricht. Auslöser ist es, dass man die Leiche des parallel zu Mallory und Irving verschwundenen Reggie Bramley finden will, abr eigentlich haben die drei einfach nur vor, auf den Berg zu klettern und den Gipfel zu erreichen. Ihnen schließt sich Reggies Cousine an (die natürlicheine perfeke Schönheit aus Indien ist). Bis die vier dann mal aufbrechen, vergingen im Buch über die Hälfte der Seiten. Diese Seiten zogen sich stellenweise zäh wie Kaugummi, wenn seitenlang über die Vorteile des ShackletonAnoraks schwadroniert wird, der Erzähler Jacob rumheult, wie amerikanisch er sich findet, der >Franzose Jean-Pierre doofe Witze reißt oder - mein Favorit - sich Diakon Richard Deacon merkwürdig verhält. Das tut er nämlich mit Vorliebe, der lte Haudegen. Ich bin mir unsicher, ob die reichlich dämlichen Versuche, französsichen Akzent zu imitieren, auf den Übersetzer zurückgehen oder auch im Original vorkommen, aber bitte, bitte, bitte - machen Sie das nie wieder!!

Als die vier dann endlich mal am Berg ankommen und loslegen, fiel Ihnen vielleicht ein, dass eine reine Beschreibung der Qualen und des Scheitersn am Everest (denn schließlich wurde das Ding anchweislich erst von Hillary und Norgay bezwungen) vielleicht nicht alle Leser fesseln kann. Und deshalb suchten Sie nach einer Handlung.
Das ist nachvollziehbar, ein Autor muss von seinem Buch leben können und will, dass es sich gut verkauft.
Aber mal ehrlich - haben Sie das Buch unter Sauerstoffmangel geschrieben???

Denn jetzt beginnt die Spionagegeschichte in 8500 Metern Höhe. Es treten auf: Als Yeti verkleidete Nazis, ein nepalesischer Heckenräuber mit dem schönen Namen Jimmy Chang, und ein tapferes Expeditionsteam. Denn der gute Reggie war eigentlich Spion im Dienste - nein, nicht Ihrer Majestät, sondern Winston Churchills (natürlich. Churchill. Das Buch spielt ungefähr in den Dreißiger Jahren, werden Sie gedacht haben, da braucht man Churchill einfach). Und er hat ... Mr. Simmons im Ernst? Kinderponos mit Adolf Hitler? Was genau haben Sie sich gedacht? Mal ganz abgesehen davon, dass die NSDAP und Hitler zum Zeitpunkt des Romans eine so unbedeutende Splitterpartei waren, dass sich kein Schwein für sie interessiert hat ...

Die letzten hundert Seiten habe ich effektiv nur noch drauf gewartet, dass der Berg in die Luft fliegt, weil er eigentlich ein Vulkan oder wahlweise ein verstecktes Atomwafffentestlabor der Nazis ist. Stattdessen muss sich die indische Schönheit auf dem Gipfel nackig machen, die Nazis werden angemessen vernichtet und kreischen wie Babys, während die heldenhaften Expeditionisten den Mount Everest nur so rauf und runterkraxeln. Und das, wo Jacob zuvor dreihundert Seiten lamentiert, dass er den geringen Sauerstoff auf 800 Metern kaum aushält - aber zum dramatischen Showdown hustet er mal kurz seinen Kehlkopfknorpel aus und ist fit wie ein Turnschuh!

Wenn Sie das Ganze wenigstens in die EigerNordwand gesetzt hätten. Die ist weniger hoch und irhe Erstbesteigung war ebenso spektakulär. Aber dann htte man ja weniger "wilde Sitten aus Nepal" einbringen können.

Bitte, Mr. Simmons, schreiben Sie nie wieder so ein Buch. Machen Sie ein bisschen Urlaub, vielleicht sogar in den Bergen. Aber bitte lassen Sie den Mount Everest zufrieden. Die Yetis werden es Ihnen danken.

[Rezensionsexemplar] Regina Scheer - Machandel

Machandel, so heißt das kleine mecklemburgische Dorf, das das Zentrum dieses Romans bildet. In Machandel kauft sich Clara 1980 gemeinsam mit ihrem Mann ein heruntergekommenes Haus. Doch schon ihr Vater war 1945 nach seiner Flucht aus dem Kozentrationslager Sachsenhausen hier untergekommen. Und auch ihr Bruder Jan verbrachte einige idyllische Kindheitsjahre hier. Und genauso, wie Claras Familiengschichte verbunden ist mit dem Dorf, ist sie es auch mit der Geschichte der DDR. Ihr Vater, der als kurzzeitiger Minister den Staat mit aufbaute im Gluben an die beste aller Staatsformen, und dessen Kinder sich im Friedenskreis engagieren und die DDR mit zu Grabe tragen ...

Warum schreiben so wenig Autoren über die DDR und wenn sie es tun, sind es ostalgische Rückerinnerungen? Dabei geht es doch auch anders, das beweist dieses Buch. Die Geschichte der DDR im Mikrokosmos eines Dorfes dargestellt und dabei mit Figuren aufgefüllt, die zwar prototypisch für die Gesellschaft stehen, dabei aber nicht zu Stereotypen verkommen, sondern mit genügend Hintergrundgeschichte versehen werden, um ihr Verhalten zu erklären. Die Sprache ist unaufdringlich und jede der Erzählperspektiven hat ihre eigene unverwechselbare Stimme erhalten, mit der man ihrem Weg folgen kann. Selbst die häufigen Sprünge in der Zeit sind nicht willkürlich, sondern lassen das Buch wie aus einem Guss wirken. Die Schicksale im Dorf wirken nie an den Haaren herbeigezogen, dafür sind zu viele verschiedene Personen involviert, und besonders gefallen haben mir die Auswirkungen, die Vergangenes bis in die Gegenwart spürbar macht. So viel Ungesagtes, so viel "da wird nicht drüber gesprochen", das in dem Drof durch die Wege wabert und im Laufe der Zeit an die Oberfläche kommt - für mich eines der Highlights im letzten Jahr, das ich definitv weiterempfehle.

Samstag, 21. November 2015

[Buchgedanken] Lucinda Riley - Das Mädchen auf den Klippen

Ich war so aufgeregt, als ich dieses Buch in der Stadtbibliothek gefunden habe. Schließlich hat doch bereits "Das Orchideenhaus" gezeigt, welch unermesslicher Quell der abstrusen Konflikte und elementaren Logikschlenker Bücher von Lucinda Riley zu sein vermögen. Und so habe ich das Buch ausgeliehen mit dem festn Vorsatz, nicht aufzugeben, sondern mich ganz von der Geschichte leiten zu lassen. Und so findet ihr auch in diesem Fall vor der Rezension weder meine obligatorische

SPOILERWARNUNG!!!!
Die folgende Rezension enthält genaue Verläufe der Buchhandlung und wird auch nicht davor zurückschrecken, das Ende zu verraten!!!

Gut, jetzt seid ihr gewarnt. Begleitet mich also nach Irland ...

Dort treffen wir, idyllisch auf einer irischen Klippe positioniert, Grania. (Bei der Auswahl von Heldinnen-Namen immer darauf achten, dass der Name maximal individuell klingt. Er muss dabei weder zur Herkunft der Person passen noch zum Nachnamen.) Grania leidet. Woran sie leidet, das erfährt der Leser in quälend langen Passagen, die er sich selbst zusammenreimen muss. Anscheinend war Grania schwanger und hatte eine Fehlgeburt. Ja, das ist tragisch. Doch Grania packte daraufhin sofort die Koffer, verließ ihren Psychologen-Lebensgefährten in New York und kehrte zu ihren Eltern zurück. In das irische Provinznest an den Klippen, aus welchem sie im zarten Alter von achtzehn entfloh. Aber egal. So ein bisschen Landluft schadet ja nicht.

Sinnierend steht Grania also an der Klippe, als sie auf Aurora trifft. Aurora ist nicht nur bezaubern und traumatisiert und zehn Jahre alt, sie ist auch, wie sich im Laufe der Handlung herausstellen wird, die eigentliche Erzählerin der Geschichte - was erklären könnte, warum sich das Buch streckenweise so spannend liest wie ein "Mein schönes Ferienerlebnis"-Aufsatz. Darüber hinaus ist sie altklug bis zum Gehtnichtmehr - also genau das Mädchen, mit dem man sich anfreunden will, oder?  Grania zumindest will das, obwohl ihre Mutter das total doof findet.

Grania-Herzchen jedenfalls besucht Aurora im Herrenhaus und auch Papa Alexander (also Granias Papa) findet das voll dufte, dass da plötzlich so eine dahergelaufene New Yorker Künstlerin im Haus rumschwirrt. Denn schließlich ist Aurora ja traumatisiert von Mamas Tod und Alexander eigentlich auch, deshalb holen wir doch mal die Künstlerin als Gouvernante ins Herrenhaus. Fühlt sich noch jemand ein wenig an die Brontes erinnert?

Und weil es sich jetzt anbietet, taucht Mama auf und liefert ein paar Briefe ab, damit Grania erkennt, wie böse die Lisles sind. Für die hat nämlich mal Granias Uroma Mary gearbeitet. Und dann wird sie zum Kindermädchen der neugeborenen Anna, die das Familienoberhaupt mal so eben aus Russland mitgebracht hat, schließlich schreiben wir 1914 und ihre Mutter, selbstverständlich Primaballerina, und ihr Vater, irgendein anonymes verheiratetes Mitglied der Zarenfamilie, haben ihn gebeten, sich um das Mädchen zu kümmern. Also wird Anna erzogen und stellt sich schon bald als eine so bezaubernde, so gute, so gütige und so tanztalentierte Ersatztochter heraus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Schicksal zuschlägt. In diesem Fall durch eine böse Stiefmutter, die - welch Graus!!! - Mary entlässt und Anna auf ein Internat schickt, wo sie - Schockschwerenot! - die Hausarbeit für ihre Stiefschwestern erledigen Lacrosse spielen muss tagein und tagaus.
Deshalb fakt Mary also mal kurz Annas Tod (drunter macht es Lucinda Riley einfach nicht!) und die Lisles verlassen die Handlung des Romans. Anna und Mary leben alsdann in der wundervollen Eintracht von Mutter und Tochter, und dann wird sogar geheiratet - ein (ebenso wie Anna) stotternder kriegsheimkehrer, der sich nach Werben und Heirat als reicher, ach was, als stinkreichster Erbe Londons entpuppt. Hurra, hurra, hurra.

Doch auch dieses Glück währt nicht lange. Anna, die aufkommende Primaballerina, und ihre Mutter überwerfen sich und Mutti und kleine Schwester ziehen um nach Irland, nachdem Papi Selbstmord begangen hat (versthe irgendjemand, wieso er den Selbstmord begeht, nachdem ihm mitgeteilt wird, dass seine Invalidenrente erhöht worden ist???). und ja, diese ganze Entwicklung wir genau so hopplahopp geschildert wie der Absatz hier, mit Figurenentwicklung und nachvollziehbaren Motiven hält sich Lucinda einfach nicht auf.

Zurück zu Grania. Inzwischen ist schon fast ein Jahr vorbei (hat Mama echt so lange erzählt? Nein, natürlich nicht, ich raffe jetzt hier ein wenig). Granias Ex hat seine Ex geschwängert - oder auch nicht, der Leser ahnt bereits durch subtilste Andeutungen ("Oh, ich kenn dich, ich hab dich doch im Krankenhaus in der Abteilung für künstliche Befruchtungen gesehen!"), dass hier ein Betrug versucht wird. Die nächsten Seiten lesen sich dann, ungelogen folgendermaßen:
 "bla bla bla -... oh Grania, ich liebe meine verstorbene Frau so sehr, wenn ich nur wüste, warum sie so ein Psycho war, dass wir sie in die Klapse haben einweisen müssen, ach ja, pass mal wieder auf meine Tochter (inwzischen nicht mehr traumatisiert, denn sie hat - oh Wunder - Ballettstunden genommen) auf, während ich in die Schweiz gehe, oh komm bitte auch in die Schweiz, heirate mich, ich habe übrigens einen inoperablen Gehirntumor und werde in zwei Wochen sterben, hier, du erbst mein gesamtes Vermögen, bis Aurora 21 ist".

Wie bei Reich und Schön. Dramatische Großaufnahmen inklusiv. grania kommt also als reiche Erbin zurück zu Mami. Übrigens weiß Aurora nicht, dass ihr Vater tot ist, das wird dem kleinen Mädchen erstmal verschwiegen, und dass er und grania gehiratet haben, kriegt sie am telefon mitgeteilt - na, wenn das nicht pädagogisch geschickt eingefädelt ist!

Für den Leser, der hier noch nicht im Schmalz erstickt ist, folgt noch rasch die eingeschobene Erklärung, wie es mit Anna weitergeht (sie heiratet den Bruders des Mannes, der siwe damals aus Russland geholt hat, wird damit also zu Granias Großtante und kriegt ein Kind, das ist Auroras Mutter, und die wird mit 17 von ihrem Stiefbruder vergewaltigt, es wird aber Granias geisig behindertem Onkel in die Schuhe geschoben, deswegen is Auroras Mutter auch so traumatisiert ...) und Aurora haut ab zu granias Ex, damit der nach irland kommt und er und Grania sich heiraten ...

Boah, nee ey. Und wenn man dann denkt, es kann nicht noch schlimmer kommen - dann stellt sich heraus, dass Aurora, die uns das Buch jetzt erzählt, Leukämie hat und stirbt (die Familie ist echt anfällig in dem ganzen Buch wird so oder so gestorben wie in einem Dickens-Roman, ich wudnere mich, dass sie kein Opfer der Spanischen Grippe mit eingebracht hat, das hätte sich doch angeboten ...), so dass Grania wieder einmal am Rande der Klippe steht und siniert.

Dieses Buch war ... nein, nicht ganz so grausam wie "Das Orchideenhaus". Aber grauenvoll auf einer ganz anderen Ebene. Da werden alle Konflikte mit einer hand Schmalz abgerieben und das Ganze dann so grauenhaft erzählt, dass man nicht einmal drüber lachen kann.

Ich freue mich auf das nächste Werk.

Donnerstag, 19. November 2015

[Buchgedanken] Nina Sedano - Die Ländersammlerin

Reisen, das ist Nina Sedanos große Leidenschaft. Und nach dem Scheitern ihrer Ehe fasst sie einen Entschluss. Sie spart Geld an, gibt ihren Job auf und bereist alle 193 UN-Staaten ...

Ich hatte dieses Buch vor über einem Jahr gekauft, weil ich mich spontan in das Titelbild verliebt hatte. Es sieht aber auch toll aus, verspricht Luftigkeit und Reiselust und eine angenehme Atmosphäre beim Lesen. Also eigentlich ideal, um diesen Monat eine der Aufgaben zu erfüllen, nämlich das Buch, in das man sich spontan verliebt hat.

Leider hält das Buch dieses Titelbildversprechen mal so gar nicht ein.

Es begann so auf Seite 20, dass ich mich zum ersten Mal fragte, was genau Frau Sedano dazu getrieben hat, ein Buch zu schreiben, wenn sie es letztlich nur mit zwei Dingen anfüllt: mit Lamenti über ihre pösen, pösen Mobber-Kollegen und mit vollkommenen Banalitäten über die bereisten Länder. Allein das Kapitel über Großbritannien, das sie erstmals mit 13 im Schüleraustausch besucht, ist ja wohl ein Witz - der Informationswert beschränkt sich auf "die Engländer essen Toast, der labbrig ist". Na, was für ein Glück, dass Sie darauf hinweisen! Man erfährt so gut wie nichts über die einzelnen Länder, hingegen viel darüber wie nervig sie den deutschen Reisepass findet, sie Tiere so sehr mag, wie sie ihre Visa besorgt, oder wie mutig sie doch ist, da sie in den doch so gefährlichen südamerikanischen Ländern ihre Kamera auspackt und ihrgendwelche Statuen fotografiert, obwohl ja überall die böse Drogenmafia sein könnte. Und zu dem Kontinent Australien fällt ihr EINE Seite ein. Eine einzige Seite, die efektiv völlig emotionslos erzählt wird und in die mal so alles reingequetscht wird. Dabei ist bereits der Einstieg ein Higlight der Literatur.

"Beef or chicken? Hühnchen oder Rind?" Ich entscheide mich für "Hühnchen, bitte"! Der kleinen Sitznachbarin und ihrer Mutter wünsche ich "Guten Appetit!". "Danke, gleichfalls!" kommt es freundlich zurück.

So toll. Ja, der "Chicken or Fish"-Witz kursiert bei meinen Schülern, die mit mir in Neuseeland waren, immer noch, aber das ist ein Insider, den man effektiv kaum versteht, wenn man nicht mal einen Langstreckenflug gemacht hat. Übrigens spielen diese Sitznachbarn keine weitere Rolle, sie dienen nicht einmal dazu, ins Nachdenken und Plaudern zu kommen - es ist einfach nur eine total belanglose Szene, die total belanglos erzählt wird.

Weitere so unglaubliche Reisetipps, mit denen das Buch aufwarten kann, sind "Besorgen Sie sich rechtzeitig ein Visum" und "Achten Sie darauf, dass Ihr Reisepass nicht abläuft". Heidewitzka, jetzt kann ich ja auch Weltreise gehen, ohne diese wertvollen Insiderinformationen wäre ich ja total aufgeschmissen! Am peinlichsten fidne ich ja, dass am Ende eines jeden Kapitels dann nicht einmal fünf kursive Zeilens ind, in denen die Autorin ihre persönlichen Geheimtipps oder ihre Gedanken zum Kapitel äußert ...

Interessantere Informationen über die Finanzierung einer solchen jahrelangen Weltreise, die Möglichkeiten zu Urlaubsammeln, Sabbajahren und dergleichen mehr vermisst man in dem Buch vollständig. Kunststück, wenn manr echerchiert, erfährt man im Internet, dass sie das alles mit Hilfe einer Erbschaft finanziert hat, wäre ja auch mal schön gewesen, das in einem Nebensatz zu erwähnen. Aber mein Gott, ein Buch, in dem die spannedeste Schilderung die ist, wie sie in einer Jugendherberge beinahe in ein Spinnennetz läuft, hat vermutlich andere Prioritäten als dem Leser zu zeigen, wie man beim Reisen glücklich wird.

Diese Banalitäten werden dann verpackt in eine Schreibweise, die selbst meine Fünftklässler besser bewältigen. Da "wurschtelt" man sich halt so durch, "latscht" zum Sightseeing-Objekt, verliert sich in Satzreihen und beschreibt faszinierende Landschaft mit derselben Emotionalität wie einen Zahnarztbesuch ohne Bohren.  Die Kapitel werden mit Überschriften wie "Die Qual der Wahl" spannend angekündigt und enttäuschen spätestens zehn Zeilen später. Frau Sedano hat nämlich hier die Wahl, ob sie über einen Zaun klettert oder unten durchkriecht, um eine Sehenswürdigkeit zu sehen. An dieser Stelle würde ich gerne Hansi Kraus in den pauker-Filmen zitieren: "Man fasst es nicht."

Hat sie eigentlich irgendetwas au fihren Reisen gelernt, wenn sie in Ländern mit Armut oder Gewalt oder Dingen, die wir einfach nicht kennen, konfrontiert wurde? Reflektiert sie auch nur einmal, welche unglaubliche Chance sie hat? Nö. Stempel abholen und zack, weiter im Text. Ich reise so gerne, ich habe mir erhofft, jemanden in dem Buch zu finden, dem es geht wie mir, der Fernweh hat und dieses Fernweh in bessere Worte fassen kann als ich. Aber denkste.

Reisen bildet? Dann sollte Frau Sedano vielleicht noch einmal loslegen. Diesmal mit weniger Gemoser im Gepäck. Dafür aber mit offenen Augen - und mehr mitnehmen als nur einen Stempel im Reisepass.

Montag, 16. November 2015

[Rezensionsexemplar] Riad Sattouf - Der Araber von morgen

Arabischer Frühling, Bürgerkriege und Terrorismus - wohl nie war ein Buch so aktuell wie gerade heute. Der französisch-syrische Cartoonist Riad Sattouf legt hier ein Werk vor, das in der tradition von "Persepolis" steht - die Geschichte einer Kindheit zwischen den Kulturen.

Riad Satouf wird 1978 as Sohn eines Syrers und einer Bretonin geboren. Nicht nur, dass ihm das als Kind die goldigsten Haare der Welt beschert, macht es aus ihm eine spannende Mischung. Sein Vater, der als Student nach Paris kommt, ist ein begeisterter Vertreter des Panarabismus, der in Gaddafi, Saddam Hussein und al-Assad die Retter Arabiens sieht, die endlich dazu in der Lage sein werden, Arabien zu vereinen und als Gegenentwurf zum Westen aufzubauen.

Dabie ist er nicht etwa radikaler Islamist, wie man jetzt sofort geneigt ist anzunehmen, oder vielleicht doch? Die Figur des Vaters ist extrem spannend in diesem Buch, der ständig wechselt zwischen westlicher Modenität und dann andererseits rassistische und anti-feministische Sprüche reißt und immer wieder zeigt, dass er nicht aus seiner Haut kann, in der er früher erzogen wurde. Sattouf selbst stellt fest, das sein Vater besessen davon ist, "den Araber von morgen" zu erziehen, der in seiner Vorstellung ein gebildeter Mensch ist, der gleichzeitig Arabien und Westen in sich vereint.

Dabei stößt der Vater selbst aber immer wieder an seine Grenzen, obwohl er, nachdem die Familie erst nach Libyen und dann nach Syrien ausgewandert ist, alles daran setzt, die negativen Seiten des Panarabismus zu ignorieren. In sehr einfachen Bildern, ind enen wenig Details zu sehen sind, sondern der Leser sehr oft einfach mit Farbzuordnungen und erklärenden Texten geleitet wird, begleitet man die Familie Sattouf durch zwei Länder, in denen die Grenze zwischen Diktatur und Demokratie so ganz anders gezogen wird als in unseren westlichen Köpfen.

Ich bin extrem gespannt auf den zweiten Teil, der auf französisch vorliegt, und habe mich wahnsinnig gefreut, dieses Buch zu lesen. Sowhl inhaltlich als auch zeichnerisch auf preiswürdigem Niveau und eine echte Empfehlung ;-)

[Rezensionsexemplar] Edo Popovic - Anleitung zum Gehen

Die Welt ist so schnell geworden. Wir alle hetzen und lassen uns hetzen. Wir sprechen nicht mehr miteinander, sondern allerhöchstens nebeneinander her - diese düstere Beschreibung steht am Beginn dieses doch recht ungewöhnlichen Buches, das ich mir im Bloggerportal ausgesucht hatte. "Anleitung zum Gehen" ist weniger ein philosophisches Sachbuch über Entschleunigung, wie ich es erwartet hatte, als ein sehr bildgewaltiges und sprachfabulierendes Werk über die Schönheit, die man im Langsamen findet.

Genau das hat es mir aber auch recht schwer gemacht, mich hier fallen zu lassen. Besonders die ersten Seiten waren für mich so das übliche Gesellschafts-Lamento, wie schlimm doch die neue technisierte Welt ist und wie wenig achtsam wir mit unserer Umwelt umgehen. Das war so viel Altbekanntes, so viel Schwelgen in der Schlechtigkeit der Welt, dass ich um ein Haar aufgegeben hatte, weil ich dachte, ich kann jetzt genau sagen, worauf das Buch hinausläuft. Aber dann wurde ich doch eines besseren belehrt. Dann kamen da eben auch wunderschöne Betrachtungen über das Wandern, unterlegt mit großartigen Fotos, in denen manchmal Details festgehalten wurden, an denen man sonst vorbei gelaufen wäre.

Das Buch ist kein Sachbuch. Es ist Lyrik in Prosaform - daran muss man sich gewöhnen. Edo Popovic schwelgt in Betrachtungen und einer sehr philosophisch-lyrischen Sprache. Aber nach zwei Stunden Lesen, wenn man dem Buch ein wenig Zeit gewidmet hat, merkt man, wie sehr man beim Lesen selbst entschleunigt hat. Und das ist doch eigentlich ganz schön :-)

Sonntag, 15. November 2015

[Buchgedanken] Kevin Wilson - Die gesammelten Peinlichkeiten unserer Eltern in der Reihenfolge ihrer Erstaufführung


Caleb und Camille Fang sind Konzeptkünstler und in ihrer Kunst kompromisslos. Ihre Happenings, mit denen sie ihre Umwelt in chaotische Situationen stürzen und die Reaktionen heimlich filmen, haben sie in den Siebziger und Achtziger Jahren bekannt gemacht. Vor allem, nachdem sie begannen, Kind A und Kind B mit in ihre Vorstellungen einzubeziehen. Kein Wunder, dass Annie und Buster, die beiden inzwischen Endzwanziger-Sprösslinge, psychisch nicht mehr so ganz belastbar sind. Buster, der zwei Romane veröffentlich hat, hält sich inzwischen bei einem Männermagazin über Wasser, wo er über spannende Dinge wie den größten Gangbang der Welt berichten muss. Und Annie hat zwar eine Oscarnominierung in der Tasche, dafür aber jetzt einen Nackbildskandal am Hals. Als dann auch noch Buster einen Unfall mit einer Kartoffelkanone hat, beschließen die beiden, dass es Zeit für einen Besuch bei Mama und Papa ist - nichtsahnend, dass sie damit das Chaos der Familie Fang nur noch vergrößern ...

Ich hatte das Buch ja effentiv nur wegen des Buchtitels gekauft - und ich bin nicht direkt enttäuscht worden. Die Geschichte ist ziemlich rasant, absolut abgedreht und schwer verrückt. Was mir besonders gefallen hat, war die Abwechslung zwischen der vorangehenden Geschichte und der Schilderung der Happenings, die sehr schnell zeigen, wie letztlich respektlos Camille und Caleb mit den Gefühlen ihrer Kinder umgehen. Kevin Wilson erzählt in einem sehr lustigen, manchmal ein wenig atemlosen Ton, der mich sofort in die Geschichte gezogen hat. Dabei vernachlässigt er aber für meinen Geschmack ein wenig zu sehr die Entwicklung der Figuren, viele ihrer Handlungen kann ich nicht ganz nachvollziehen. Mir war das Buch schlicht zu kurz, weniger, weil ich mir noch mehr Verrücktheiten gewünscht hätte, als vielmehr, weil ich mir wünschen würde, mehr über das Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern zu erfahren.

Klar, man kann sagen, das steht alles im Roman und ich muss nur die Leerstellen füllen - aber de facto bleiben vor allem Caleb und Camille ziemlich blass und schwer greifbar. Extrem gut gefallen haben mir die Diskussionen, die im Buch angestoßen werden. Was ist Kunst, was darf Kunst und wie weit kann Kunst gehen - immer wieder zeigen die Happenings der Fangs nichts anderes als genau diese Frage. Einen Verstoß gegen das Konventionelle, ein Verstoß gegen das, was wir gewohnt sind. Diese Schilderungen lesen sich erst einmal ziemlich absurd und mir haben die Kinder dabei oft ein wenig Leid getan. Dass die beiden Eltern es schaffen, wirklich jedes Ereignis zu einem Fang-Happening zu machen und dabei immer wieder die Demütigung ihrer halbwüchsigen Kinder zu riskieren, hat schon weh getan.

Alles in allem ein Buch, das unterhält und durchaus Stoff zum Nachdenken bietet, trotz der fehlenden Figurentiefe :-)