Sonntag, 30. April 2017

[Gewinnspiel] Herzlichen Glückwunsch an ....


Unter Wahrung aller Ziehungsgeheimnisse und mit sehr viel Spaß bei der Sache hat das Baby, aka blogeigene Glücksfee, heute kurz vor dem Schlafengehen zugeschlagen und aus seinen mit euren Namen gefüllten Stapeltürmchen einen Zettel gezogen. Also um genau zu sein sechs und fünf davon dann langsam auf der Couch verteilt, nur einen wollte er nicht mehr hergeben. Und dieser glpckliche Jemand war Lisa Koala, die sich ein Buch für ihren kranken Sohn wünscht. Na, wenn das nicht den richtigen getroffen hat ;-)

Email ist raus und ich hoffe, sie meldet sich. Ich wünsche euch allen einen schönen Feiertag und hoffe, ihr hattet beim Welttag des Buches wieder so viel Spaß wie ich. Ich freu mich schon auf nächstes Jahr :-)

[Rezensionsexemplar] Stefan Brijs - Taxi Curaçao

Curaçao, 1961. An einem Septembermorgen bringt der Taxifahrer Roy Tromp seinen zwölfjährigen Sohn Max zum ersten Mal in die weiterführende Schule zu Bruder Daniel. Max ist der erste in seiner Familie, der sie besuchen kann, und erweist sich als talentierter Junge, der davon träumt, Lehrer zu werden und den gesellschaftlichen Aufstieg aus der Armut zu schaffen. Bruder Daniel, der selbst von der Insel stammt, will ihm dabei helfen. Denn so prächtig der azurblaue Dodge Matador ist, mit dem Roy seinen Sohn zur Schule bringt, so bettelarm ist die Familie des Trinkers und Spielers. Vierzig Jahre später ist der Traum geplatzt und Max, der längst selbst Vater eines erwachsenen Sohnes ist, verschwindet aus heiterem Himmel in die Niederlande, womöglich für immer ...

Ahhh, die Karibik. Mal ehrlich, wenn man das Wort hört, hat man doch sofort weiße Sandstrände vor Augen, schmeckt förmlich den Cocktail und hört liebliche Musik - Zeit, sich entführen zu lassen auf die Niederländischen Antillen. Und festzustellen, dass das Leben dort eben auch nicht nur ein Dauerurlaub ist, sondern ebenso seine Schattenseiten aufweist. Über 40 Jahre lang verfolgt man an der Seite Bruder Daniels das Leben der Männer der Familie Tromp und damit auch das Leben der Arbeiterklasse und die politische Entwicklung der Insel. Das wird mit genug Lokalkolorit durch die landeseigene Sprache, durch Gepflogenheiten und Erklärungen geliefert, dass ich als Leser mich freue, gleichzeitig etwas zu lernen und unterhalten zu werden. Was mir dabei jedoch nicht ganz so gefällt, ist die Erzählperspektive durch Bruder Daniel, der zwar alle Beteiligten seit Jahrzehnten kennt, aber eben nicht in ihrer Haut steckt. So schleichen sich gelgentlich Längen ein, wenn er klarmachen will, wie eine Person ich fühlt, statt dass ich als Leser den direkten Weg gehen kann und deren Perspektive einnehme. Andererseits beobachte ich dadurch die Personen sehr viel besser und hinterfrage ihre Handlungen auch durchaus mehr als in anderen Romanen, es kann also durchaus hilfreich sein.

Ich finde das Buch insgesamt aber durchaus gelungen. Vor allem, wie gesagt, weil es einen Einblick in eine doch eher fremde Welt bietet und mit einigen Klischeevorstellunge bezüglich der Karibik aufräumt. Die Personen sind lebensecht und wachsen einem auch ans Herz, je länger man ihnen folgt, und besonders Roy ist mit Ecken und Kanten ausgestattet, aber auch trotzdem jemand, den man nicht missen will. Ja doch, das Buch ist gut, man sollte sich aber ein wenig Zeit nehmen für die Lektüre, statt sie einfach nur schnell zu verschlingen und sofort zum nächsten Buch zu schreiten.

[Rezensionsexemplar] Edney Silvestre - Der stumme Zeuge

São Paulo, Brasilien: Ein kleiner blonder Junge wird mit einer Luxuslimousine von der Schule abgeholt. Minuten später ist der Fahrer des Wagens tot, das Kind in der Gewalt einer Söldnertruppe. Mit der Entführung soll der Vater des Kindes, der mächtige Medienmogul Olavo Bettencourt, zur Aufdeckung eines Korruptionsskandals der brasilianischen Politikelite gezwungen werden. Doch Bettencourt reagiert nicht auf die Forderungen und den Entführern läuft die Zeit davon. Sie bekommen Zweifel: Haben sie den richtigen Jungen in ihrer Gewalt?

 Ein weiteres Mal habe ich mich für die Weltenbummlerchallenge mit einem Rezensionsexemplar eingedeckt, das ich nur wegen des Schauplatzes gewählt habe. Und schon wieder bin ich dabei in den Besitz eines Buches gelangt, das ich ohne diesen Anlass nie gelesen hätte und das ich nicht bereue, gelesen zu haben.

Vorneweg sei gesagt, dass s sich hier nicht um einen klassischen Kriminalroman handelt. Die Geschichte der Entführung ist so etwas wie Aufhänger und Nebenhandlung. Vielmehr ist es ein Psychogramm einer Gesellschaft und ein sehr bedrückender Blick in das Leben in Brasilien. Die Olympischen Spiele letztes Jahre haben es ja immer mal wieder anklingen lassen, dass Brasilien ein Land ist, in dem die Schere zwischen Arm und Reich extrem auseinanderklafft, so sehr, dass man es sich hier in Europa eigentlich gar nicht wirklich vorstellen kann. Olavo und seine Frau gehören dieser Oberschicht an, die sich angenehm zurücklehnt in ihren bewachten Villen, deren Wohlstand in vielen Fällen aber nicht nur harter Arbeit sondern auch einem gehörigen Maß an Korruption und Verbrechen zuzuschreiben ist. Und wenn sich dann herausstellt, dass es sich bei dem entführten Kind eben nicht um den Spössling aus gutem Hause, sondern um den taubstummen Sohn der Putzfrau handelt, ist man schnell in der Überlegung, ob man sich dann für "so einen" vor den Karren der entführer spannen lässt oder nicht ... Olavos Ehefrau Mara stammt aus einem ganz anderen Hintergrund, der im Laufe der Handlung immer deutlicher wird.

Silvestre arbeitet mit sehr gelungenen Erzählpassagen, in denen viele verschiedene Blickwinkel aufgegriffen werden. Beim Lesen muss man in der Hinsicht aber sehr am Ball bleiben, die Perspektivwechsel geschehen absatzweise und sind nicht immer direkt erkennbar. Das Buch ist allerdings kurz genug, um trotz dieser Erzählweise nicht die Lust zu verlieren, sondern sich immer mehr einzulassen auf die Figuren, ihren Hintergrund, ihre Motive und auch Silvestre sehr gelungene Schilderungen. Alles in allem also ein tolles Buch für dieses Jahr.

[Rezensionsexemplar] Gavin Extence - Das unerhörte Leben des Alex Woods

Alex Woods ist zehn Jahre alt, als das Universum es auf ihn absieht - im wahrsten Sinne des Wortes, denn ein Meteorit stürzt genau ins Kinderzimmer und auf seinen Kopf. Nach zwei Monaten Koma und verschiedenen Operationen ist klar, dass Alex weiteres Leben nicht den konventionellsten Weg gehen wird. Gesegnet mit Epilepsie, einer hellseherisch begabten Mutter und dem Wissen, dass selbst die unwahrscheinlichsten Dinge eintreten können, ist er nicht unbedingt der beliebteste Klassenkamerad. Als er dann durch Zufall den zurückgezogenen und sehr misslaunigen Mr. Peterson kennen lernt, schließen aber genau die beiden eine Freundschaft, die dazu führen wird, dass Alex sieben Jahre später mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche an der Grenze in Dover gestoppt wird ...

Manchmal finde ich deutsche Titel echt doof. Dieser sehr sperrige, wenn  auch witzig gemeinte Titel hier zum Beispiel wird dem Buch eigentlich nicht gerecht. "The Universe vs Alex Woods", wie das Original heißt, hat etwas viel schmissigeres und trifft den Erzählton des Romans haargenau. Ich habe das Buch trotz zur Zeit sehr quengelig-anhänglichem Baby innerhlab von zwei Tagen verschlungen, weil einen Alex einfach sofort einfängt. Seine Erzählhaltung ist unprätentiös, selbstironisch und sehr, sehr detailverliebt. Mir hat vor allem auch gefallen, wie man direkt Lust gemacht bekommt, sich auch mal selbst durch das Werk Kurt Vonneguts zu lesen, der jetzt auch direkt auf meiner Leseliste nach vorne katapultiert wurde ;-)

Ich hätte bei dem Klappentext nicht direkt erwartet, dass es hier um Sterbehilfe und auch sehr ernste Töne geht, das hat mir extrem gut gefallen, denn Extence nähert sich dem nicht etwa durch einen moralischen Zeigefinger an, sondern gnaz im Stil des Buchs mit einem gewissen Hang zum Sarkasmus, zum Selbstzweifel und zur Tragikomik.

Alles in allem also ein richtig gutes Buch, das ich jedem empfehlen würde, der ein bisschen mehr Biss und Gedankenmaterial haben möchte als es andere aktuelle Romane hergeben.


[Rezensionsexemplar] Elisabeth Herrmann - Die Mühle

The Court – das waren die Coolen. Die Unerreichbaren. Die Helden von Lanas Schulzeit. Wie kann es sein, dass ausgerechnet Lana an eine Einladung zu einem Kurztrip mit der Überflieger-Clique kommt? Jahre, nachdem sie alle ihre alte Schule verlassen haben?

Die Kings und Queens der coolen Clique sind zwar wenig begeistert, als Lana statt ihres siebten Mitglieds bei ihrem Treffen auftaucht. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse. Der Trip führt die Clique in eine alte abgelegene Mühle, umgeben von Wildnis. Alles hier scheint für sie vorbereitet zu sein. Nur wer hat eigentlich die Einladungen verschickt? Wer begrüßt sie mit schriftlichen Botschaften, hat seltsame Spiele für sie organisiert? Als der erste der Freunde verschwindet, bricht Panik in der Gruppe aus …

Dass Elisabeth Hermann neben Krimis, in denen sie die DDR-Geschichte mit aufarbeitet, auch Thriller für Jugendliche schreibt, ist bislang ein wenig an mir vorbeigegangen. Umso froher war ich, als dieses Buch als Rezensionsexemplar bei mir landete, denn im Moment steht mir der Sinn nach eher ein wenig leichter Lesekost. Beim Lesen habe ich mich sehr zurückversetzt gefühlt in meine Jugend, Ende der Neunziger, als die Kinos in der Folge von "Scream" überflutet wurden von Thrillern, in denen undurchsichtige Serienkiller junge Menschen aufgrund mehr oder weniger weit hergeholter Motive umbrachten. Genau diesem Prinzip folgt Herrmann in ihrem Roman und bietet dabei nicht gerade sehr viel Überraschendes.

Die Figuren wirken schon sehr klischeehaft. Sowohl Lana, der die Rolle der überraschten Außenseiterin, als auch die Mitglieder des Court, die natürlich alle schön, reich, mächtig und geheimnisvoll sind. Gut, ich bin ungerecht, als Teenager hätte ich diese Figuren alle total logisch gefunden und mich mit Lana identifiziert, aber jetzt, mit einer Generation Abstand ist das alles so unglaubwürdig und klischeehaft. Auch die Dialoge sind für meinen Geschmack sehr von der Stange, so wie ma sich halt vorstellt, dass diese Figuren sprechen würden. Ja, ich glaube, das ist das, was mir am meisten aufgefallen ist, dass es hier Figuren sind, die nicht wirklich lebendig werden, sondern alle schön an der Oberfläche der Lektüre bleiben und ihren Zweck erfüllen. Wirksam erfüllen, aber eben nicht großartig darüber hinaus Wirkung entfalten. Insgesamt gibt es nicht viel überraschendes, sondern man merkt dem Buch an, dass hier alles auf eine jüngere Zielgruppe gerichtet wurde, die unterhalten werden soll. Besonders am Ende wurde das für mich deutlich, da wird gewaltsam ein Happy End rangeklatscht, ganz so, wie es das Publikum mag. Wenn man aber Lust hat, auf ei simples Buch, mit dem man sich das Hirn freiblasen kann und sich zurückversetzen lassen will in seine Jugend damals beim Schauen von "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast", dann ist das ein durchaus gelungenes Buch. Es tut nicht weh, es ist durchaus spannend, und man klappt es am Ende zu, ohne sich davor zu fürchten, dass der nächste Mörder unterm eigenen Bett lauert ;-)

Montag, 24. April 2017

[Hörbuch] T.R. Richmond - Wer war Alice

Alice Salmon ist erst fünfundzwanzig Jahre alt, als sie eines Morgens leblos in einem Fluss in Southhampton gefunden wird. Eigentlich wollte sie am Abend zuvor nur Freunde treffen – sie ahnte nicht, dass dies die letzten Stunden ihres Lebens sein würden. Aber was ist passiert? Ist sie wirklich ins Wasser gestürzt, weil sie zu viel getrunken hat? War es ein tragischer Unfall? Die Nachricht ihres Todes verbreitet sich wie ein Lauffeuer, auch über Facebook und Twitter. Gleich werden Vermutungen angestellt: über sie, ihr Leben und ihren Tod. Auch ihr ehemaliger Professor Jeremy Cooke ist erschüttert. Wie ein Besessener versucht er herauszufinden, was in jener Nacht tatsächlich geschah. Jeder kleinsten Spur geht er nach und sammelt alles über Alice, was er finden kann ...

Ich habe ewig und drei Tage an diesem Hörbuch gehört. Das lag erstens, klar, an dem kleinen Minibündel, das mich einfach echt fordert, aber zu einem nicht unerheblichen Teil an der Struktur des Hörbuchs. Wie der Roman auch, ist es hier nicht etwa eine lineare Geschichte, die erzählt wird, sondern eine Anhäufung von SMS, Emails, Einträgen in sozialen Netzwerken und dergleichen mehr, anhand deren sich Jeremy Cooke Alices Leben erschließt. Das klingt natürlich wahnsinnig spannend, ist aber eben auch ein Problem, weil man sehr gut zuhören muss, um den Logikschlüssen selbst folgen zu können. Hilfreich dabei ist, dass die einzelnen Personen in der Geschichte individuelle Sprecher haben, sodass man einigermaßen am Ball bleiben kann, und die machen ihre Sache in der Hinsicht wirklich gut. Nicht zu übertrieben, immer erkennbar, und für mich sehr gelungen. Aber, und da sind wir eben beim negativen Punkt angelangt, die Geschichte zieht einfach nicht richtig. Sie ist streckenweise sehr zäh, die Figuren sind sehr wenig entwickelt, sondern bleiben auf ein oder zwei Charakterzüge beschränkt, und das ganze gipfelt in einem doch recht vorhersehbaren Ende. Für mich nicht unbedingt das Highlight, das ich nach dem Klappentext erwartet hatte. :(

Sonntag, 23. April 2017

[Welttag des Buches] Blogger schenken Lesefreude - Das Gewinnspiel

Guten Morgen zusammen.

Ist noch jemand so gut gelaunt wie ich heute? Ich freue mich wie wahnsinnig auf diesen Welttag des Buches und geh gleich mal ein bisschen bei Blogs stöbern.

Lustigerweise war der National Bookday in England schon im Februar, und der wird vor allem an den Grundschulen ganz groß gefeiert. An dem Tag nämlich war keine Schuluniformpflicht, sondern die Kinder kamen verkleidet als ihre Lieblingsfiguren. Die Lehrer übrigens auch. Beim Spaziergang am Morgen kamen mir kleine Hexen und Zauberer entgegen, aber auch Füchse, Matildas, Bären, Coraline und so viele andere. Es war wirklich toll! Ich hab mir an dem Tag dann endlich mal eine neue Kaffeetasse gegönnt, nämlich die Penguin-Verlag-Tassen mit klassichen Bookcovern. Seitdem trinke ich meinen Tee stilecht aus "Wuthering Heights".

Aber ich weiß schon, warum ihr hier seid ;-)



Ja, auch bei mir gibt es etwas zu gewinnen. Und zwar *trommelwirbel* ein Wunschbuch im Wert von 15,-€. Ihr dürft euch also alles aussuchen, was ihr gerne lesen möchtet, allerdings müsst ihr damit einverstanden sein, dass das Ganze per amazon (oder einem anderen online-Händler) an euch verschickt wird. Warum? naja, weil es ein wenig umständlich ist, das Buch nach England zu schicken, um es dann wieder nach Deutschland zu verschicken :-D

Was müsst ihr dafür tun?
Ich mache es euch leicht - hinterlasst mir einen Kommentar unter diesem Post in dem ihr mir mitteilt, welches Buch ihr gerne hättet. Gerne könnt ihr euch auch noch zu viel mehr äußern, mir etwas erzählen oder euer Lieblingsbuch vorstellen oder erklären, warum mein Blog so schlecht ist, dass ihr gar nichts gewinnen wollt - wichtig ist nur eins: gebt bitte eine Kontaktmöglichkeit an.
Das kann ein Link zu eurem Blog sein oder eine verschlüsselte Mailadresse, aber irgendwie müsst ihr ja erfahren,ob ih gewonnen habt.
Solltet ihr unter 18 Jahre alt sein, bräuchte ich eine Einverständniserklärung eurer Eltern.

Die Auslosung findet am 30. April durch meine persönliche blogeigene Glücksfee statt. Daraufhin melde ich mich beim Gewinner und gebe ihn hier auf dem Blog bekannt. Wenn er sich bis 3.Mai immer noch nicht gemeldet hat, wird eine neue Auslosung stattfinden.

Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen, genauso wie ein Umtausch gegen Geld - aber auf die Idee kämt ihr ja sowieso nicht als Buchliebhaber. :-)


Montag, 20. März 2017

[Ankündigung] Blogger schenken Lesefreude

Hurra!!! Es ist wieder so weit - der Welttag des Buches steht an.Und genau deshalb schon einmal die Ankündigung: auch dieses Jahr bin ich wieder dabei. Und da es bei Blogger schenken Lesefreude wieder zurück zu den Wurzeln geht, habt ihr dann auch bei mir die Gelegenheit, etwas zu gewinnen. Freut euch mit mir und zählt die Tage, am 23.April erfahrt ihr mehr.

Werbung machen dürft ihr jederzeit, vielleicht beteiligt sich ja der ein oder andere von euch selbst aktiv ;-)

Mittwoch, 15. März 2017

[Rezensionsexemplar] A.F. Harrold - Amandas unsichtbarer Freund

Als Amanda Rudger in ihrem Kleiderschrank entdeckt, ist ihr sofort klar: Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft! Anders als Amandas Schulfreunde, die nie draußen spielen, um ihre ordentlichen Kleider nicht schmutzig zu machen, weicht Rudger fortan nicht von Amandas Seite. Einen herrlichen Sommer lang bauen sie ein Lager im Garten, jagen die Katze und erleben die wildesten Abenteuer. Rudger ist einfach perfekt – und dass nur Amanda ihn sehen kann, ist erst recht ein Vorteil, findet sie. Bis der geheimnisvolle Mr. Bunting auftaucht: Auch er kann Rugder offenbar sehen – und er führt irgendetwas Schreckliches im Schilde. Rudger hat furchtbare Angst vor ihm. Amanda ahnt, dass sie schnell herausfinden müssen, was Mr. Bunting verbirgt – und dass ihnen nur wenig Zeit dazu bleibt …

Ich hatte mir das Buch mit ein bisschen Hintergedanken vom bloggerportal geholt, denn meine Schwester beschwert sich gerne darüber, dass meine Nichte einfach ungern liest. Also habe ich diesmal nicht nur selbst eine Meinung, sondern lasse mal jemand anderen zu Wort kommen.

Also, liebe Nichte, wie hat dir denn das Buch gefallen?
Es ist ganz okay. Ich lese nicht gern, deswegen war es toll, dass viele Bilder mit dabei waren. Das war wirklich schön. Und es war spannend und gruselig. Manchmal ein bisschen sehr gruselig, vor allem das Mädchen bei Mr. Bunting.
Anmerkung der Blog-Tante: Stimmt. In dem Buch war dicht gepackt alles, was an Grusel fürZehnjährige angemessen ist, plus sehr viel Spannung und Fantasie. Alles in allem fand ich, dass es eine bezaubernd-gruselige Geschichte ist, die sogar Lesemuffeln zusagen wird.

Würdest du das Buch weiterempfehlen? Warum oder warum nicht?
Vielleicht. Das Buch gefällt bestimmt manchen Kindern nicht, weil es so viele Seiten hat. Aber man kann es schnell lesen und es kennt nicht jeder.
Anmerkung der Blogtante: Dem pflichte ich bei, diese 300 Seiten lassen sich weglesen wie nichts. Das liegt bestimmt auch an den Cliffhängern, mit denen jedes Kapitel aufhört, die haben es mir echt nicht leicht gemacht, eine Zwangspause beim Lesen einlegen zu müssen, wenn doch mal nach mir verlangt wurde. Ich finde das Buch wirklich gelungen und es war mal wieder schöne Kinderliteratur, die ich gerne weiterempfehlen würde!

[Buchgedanken] Jussi Adler Olsen - Selfies

Im Sonderdezernat Q stehen Probleme ins Haus: wegen angeblich zu niedrigen Aufklärungsquoten droht die Schließung. Schuld daran ist Rose, denn die scheint die mehrheitlich gelösten Fälle nicht ordentlich zu melden. Bevor Carl sie sich vornehmen kann, hat Rose aber einen ihrer psychischen Zusammenbrüche.  Und gleichzeitig macht ein Autofahrer Jagd auf junge Sozialhilfeempfängerinnen, das Sonderdezernat muss ein nerviges Kameratem für eine TrueCrime-Serie beschäftigt halten und Carls ehemaligem Chef kommt durch die Ermordung einer alten Frau im Park ein alter ungelöster Fall ins Gedächtnis. Alles in allem ganz schön viel Trubel für das Sonderdezernat Q ...

Nachdem ich vom letzten Band nicht mehr ganz so sehr begeistert war, muss ich sagen, dass mir der Band jetzt zwar nicht hervorragend gefällt, aber zumindest finde ich ihn besser als den Vorgänger. Mir hat vor allem die Geschichte rund um Anneli gefallen - so viel, oder eher so wenig Spoiler sei gegeben, der Leser erfährt von Anfang an, um wen es sich bei dem Autofahrer handelt - und ich fand sie extrem gut entwickelt. Und irgendwe konnte ich mitfühlen mit ihr und ihren Gefühlen, mit ihrer Frustration, ihrer Angst und auch ihrer Selbstüberschätzung und Überheblichkeit.

Was ich jedoch am Buch echt auszusetzen habe, ist die diesmal extrem schwache Verbindung der einzelnen Handlungsstränge. Irgendwie ist da zuviel Zufall dabei, oder nein, nicht Zufall, eher Willkür des Autors. "X ist die Nachbarin von Y und deswegen haben wir eine Brücke zwischen den beiden Fällen" ist mir persönlich zu sehr konsturiert und zu wenig überzeugend. Ja, man braucht alle diese Handlungen, um das Gesamtbild zu sehen und nachvollziehen zu können, aber beim Lesen selbst wirkte es immer eher wie eine Nummernrevue. Der Fall an sich ist einfach zu konstruiert und verschachtelt, um wirklich Lesevergnügen herzustellen. Und auch von dem Strang um Rose hätte ich gerne mehr Hintergrund gehabt, mehr Schilderung und weniger Nacherzählung durch andere Personen. Vielleicht hätte es geholfen, wenigstens diese Handlung anders einzubetten, nicht so auf Teufel komm raus hier mit in den siebten Band einzufügen.

Ach ja - den Titel finde ich dieses Mal vollkommen bescheuert. Er passt weder in die bisherige Reihe, noch wirklich zum Buch an sich. Aber das nur nebenbei ...

[Buchgedanken] Jeffery Deaver - The Steel Kiss

Amelia Sachs ist gerade unterwegs, als sie den Funkspruch hört: der Verdächtige in zwei Mordfällen ist in einem Einkaufszentrum gesehen worden. Zwar kann sie ihn verfolgen, doch bevor sie ihn auch festnehmen kann, geschieht nur wenige Meter entfernt ein furchtbares Unglück: die Falltür in den Motorraum der Rolltreppe gibt nach und ein Mann stürzt hinein. Amelia entscheidet sich, ihm zu helfen, der Verdächtige kann entkommen - und dann stellen Lincoln Rhyme und Mel Cooper fest, dass der Unfall gar kein Unfall war. Die Rolltreppe wurde manipuliert und Hauptverdächtiger ist ausgerechnet der Verschwundene. Ein Täter, der mit Hilfe von der Technik tötet, die uns inzwischen nahezu überall umgibt ...

Erstmal vorneweg ein großes Hurra: Deaver ist endlich wieder abgerückt von seinem Dauerthema des "homemade terrorism". Wir haben einen ganz simplen Mörder, der allerdings nach seinen Taten an die Medien Auszüge aus seinem Manifest liefert, in denen er einen Grund für seine Taten erläutert. Manchmal wünscht man sich die klassischen Serienmörder schon fast zurück, aber so viel ist verraten: natürlich ist beim Meister des Twist wieder einmal nichts so, wie es scheint, und am Ende dreht sich dann doch wieder alles in eine Richtugn, mit der man vorher nicht gerechnet hat. Insofern: alles gut, bei Mister Deaver.

Allerdings hat sich bei den Figuren einiges getan. Lincoln hat der Polizei enttäuscht den Rücken gekehrt und ist inzwischen Dozent an der Universität. Amelia Sachs is endlich mal ihre Knieschmerzen los und steht plötzlich vor ihrem aus dem Knast entlassenen Exfreund. Und plötzlich rollt neben Lincoln auch noch eine Praktikantin im Rollstuhl durch das Labor. Nach elf Bänden war dahingehend ja auch mal endlich eine Entwicklung notwendig, die aber von Deaver ebenfalls mit seiner üblichen "Überraschung!"-Methode serviert wird, was leider nicht ganz so brillant wird, wie er sich das vermutlich vorgestellt wird. Viele der Twists wirken serh konsturiert, weil Deaver einen diesmal sehr viel mehr im Dunkeln tappen lässt, Lincolns üblicheTatoranalysen sind sehr zurückhaltend und ich hatte das Gefühl, Deaver selbst war nicht immer ganz wohl bei den Schlussfolgerungen, die gezogen werden müssen und den dafür zur Verfügung stehenden Beweisen. Er ist auf einem guten Weg zurück zu überraschenden Thrillern mit dem gewissen Etwas, der nächste Band dürfte - wenn er so weiter macht - schon wieder besser werden. Hurra!

[Buchgedanken] Victoria Twead - Two old Fools on a Camel

Eigentlich sind Victoria und ihr Mann Joe ganz zufrieden. Daas pensionierte Lehrerehepaar ist von England nach Spanien ausgewandert und lebt friedlich mit seinen Hühnern in einem kleinen beschaulichen Dorf. Aber dann treibt es Joe doch wieder ans Unterrichten, denn im Internet findet er das Angebot, für ein Jahr und sehr gutes Geld im Nahen Osten zu unterrichten. Genauer gesagt in Bahrain, und die beiden packen nach erfolgreicher Bewerbung kurzerhand die Koffer. So schwer kann es ja nicht sein, an einer Privatschule dem hoffnungsvollen Nachwuchs die Feinheiten der englischen Sprache und der Mathematik beizubringen ...

Ich habe das Buch über ein Gratisangebot bei amazon zusammen mit zwei anderen der Autorin als ebook bekommen und dachte mir "och wie cool, Bahrain, das interessiert mich jetzt". Auch der dezente Hinweis auf dem Titelbild, es hier mit einem Bestseller der New York Times zu tun zu haben, hat mich ein wenig beeinfflusst bei der Auswahl. Aber irgendwie ... ich weiß auch nicht.

Bei dem Buch handelt es sich ganz klar um einen netten autobiographischen Text. Ein wenig fühlt man sich wie bei Tante Trudi, die das Fotoalbum zückt und erzählt - der Eindruck wird verstärkt durch die in den text eingefügten privaten Schnappschüsse von Victoria, Joe und ihren Freunden. Das ist nett und gibt so ein bisschen Lokalkolorit, außerdem hat man so natürlich sofort die Leute richtig vor Augen, die von Victoria geschildert werden. Leider finde ich ihre schriftstellerischen Fähigkeiten aber ein wenig begrenzt, änlich wie Tante Trudi ergeht sie sich im Widerholen und reitet Anekdoten tot, die schon beim ersten Mal eher für die lusitg sind, die dabei waren, als für jemand Fremden. Keine dieser Erinnerungen wird dabei mal literarisch verarbeitet, sondern sie sind halt ohne Höhepunkt einfach da. Was hätte man satirisches aus dieser etwa überengagierten Mutter machen können, die Victoria von Tag 1 an mit Emails bombardiert, wie sie die Lernerfolge ihrer Tochter noch mehr stärken kann ("die andere Klasse hat drei Vokabeln mehr eingetragen ...").

Besonders absurd wird das dann, als die Ereignisse des Arabischen Frühling, den die Tweads direkt miterleben, in der Geschichte auftauchen und man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass das für Victoria auch nicht mehr ist als beschauliche Kulisse. Spätestens da hatte mich das Buch als Leser wirklich verloren, mir war das zu oberflächlich und zu banal alles. Mal schauen, ob ich die anderen Teile überhaupt noch lese, wirklich Lust habe ich nicht drauf :-(

Mittwoch, 8. März 2017

[Rezensionsexemplar] Catherine Simon - Bitterer Calvados

Deauville im Frühling. Bereits zum fünften Mal lockt der Ort mit seinem Krimi-Festival "Mord am Meer" die Besucher an. Und diesmal ist es den Organisatoren sogar gelungen, den berühmten Bestsellerautor Jean-Paul Picard für eine Lesung zu engagieren. Der Autorenabend ist ein voller Erfolg. Doch am nächsten Morgen liegt Picard tot in seiner Hotelsuite. Das Letzte, was er zu sich genommen hatte, war ein Calvados – und der hatte es in sich: Picard wurde vergiftet ...

Hach ja, ich hatte das Bedürfnis nach einem netten Krimi, den man beim Stillen nebenbei lesen kann und der nicht allzu sehr wehtut. Da habe ich beim bloggerportal einen Glücksgriff getan, denn diesen Anspruch erfüllt "Bitterer Calvados" hervorragend. Dass es sich hier um den dritten Band handelt, macht dem Lesevergnügen nichts aus, denn man wird schnell mit den Figuren vertraut und erhält genügen Informationen, sich zurechtzufinden in der beschaulichen normannischen Provinz. Hübsch ist es da ja schon, ich habe mich ganz wohl gefühlt beim Lesen, wäre gerne gemeinsam mit Leblanc zum Essen gegangen oder hätte das Krimifestival besuchen wollen. Die Figuren sind mit genügend Wiedererkennungswert ausgestattet, dass man sie ins Herz schließen kann, und der Fall wird nett erzählt.

Allerdings bin ich nicht ganz zufrieden mit dem Buch. Das liegt an zwei Gründen, die ein wenig ineinander greifen. Ich hatte beim Lesene infach ein bisschen zu sehr das Gefühl, eine Folge "Derrick" zu genießen. Relativ schnörkellos geht der Fall voran und man kann sich als Leser fast sicher sein, dass die Figur oder der Hinweis, die jetzt neu eingeführt werden, dem Verlauf der Geschichte dient und keinen Nebenschauplatz eröffnet. Ich schreite einen gut ausgebauten Wanderweg entland und genieße die Aussicht, eine Abwechslung zu dem Unterholz, durch das man sich bei anderen Krimis schlagen muss Aber eben auch irgendwie ... nciht direkt langweilig, aber halt wenig spannend. Wie "Derrick" eben. Parallel will die Autorin aber zumindest ein wenig mehr "Mensch" in den Kriminalkommissar bringen als es im ZDF der Fall war, und das bedeutet, dass etliche Seiten (und gegen Ende, für meinen Geschmack zumindest, viel zu viele davon) dem doch recht belanglosen Herzschmerz von Leblanc gewidmet werden, der grade ine Midlifecrisis durchmacht und sich in die sympathsiche junge Nachbarin verknallt. Naja, muss man mögen, ich fand es eher ein wenig lächerlich und habe innerlich die Augen verdreht bei seinen inneren Monologen. Gerade dadurch hatte ich dann am Ende des Buchs das Gefühl, zwar ein ganz kay-es Buch gelesen zu haben, aber mehr auch nicht. Der Wunsch, wieder zurcük ans Meer zu kehren und weitere Bände zu lesen, ist bei mir jedenfalls nur bedingt eingetreten. Schade eigentlich :-(

Donnerstag, 23. Februar 2017

[Fastnachtslesen_2017] Mögen die Spiele beginnen

Hach ja, Fasching ... Ich vermisse es hier auf der Insel kein bisschen. Meine Schwiegermutter-in-spe und ich haben vorhin mein Fotoalbum durchgeschaut und sie war wiklich schwer begeistert von den Faschingskostümen meiner Kindheit. Ich weiß noch nicht genau, ob ich es schade finde, dass das Babymonster das nicht erleben wird, aber zur Zeit bin ich wirklich froh, zum ersten Mal den Fernseher einschalten zu können, ohne Karnevals-Tääätäää zu hören.

Ich mache es mir heute Abend definitiv auf der Couch gemütlich und werde den Abend weniger zum Lesen nutzen, sondern eine Bestnadsaufnahme für den Blog machen: wie groß ist mein SUB jetzt eigentlich? Danach werde ich versuchen, meinen fire zu updaten und wenn das gelugen ist, mache ich mich buchtechnisch auf nach Baraihn. Ein update gibt es später am Abend :-)

Update, 20:58 Greenwich Time:

Wow. 73 Bücher. Das ist dann doch weniger, als ich gedacht habe. Ich habe den Umzug genutzt und doch einige Bücher aussortiert, von denen ich denke, dass ich sie nie gelesen hätte, selbst wenn sie im Regal standen. Die, die jetzt da sind, sind eine bunte Mischung aus aktuellen Büchern, Klassikern und Spontankäufen, denen ich nicht aus dem Weg gehen kann.

Ans Lesen mache ich mich aber jetzt definitiv am fire und es wird "Two old Fools on a Camel" von Victoria Twead, über ihr Leben als Austauschlehrer in Barain. Na dann mal los, auf geht's :-)

Montag, 20. Februar 2017

[Rezensionsexemplar] James Oswald - Die Gräber der Vergessenen

In einer tiefen Schlucht nahe Edinburgh wird die Leiche eines Mannes gefunden, fürchterlich zugerichtet und über und über mit Tattoos bedeckt. Kaum hat Inspector Tony McLean den Tatort besichtigt, versetzt ein weiteres schockierendes Verbrechen die schottischen Behörden und Medien in Aufruhr: Der Politiker Andrew Weatherly hat zuerst seine Frau und seine beiden kleinen Töchter erschossen, dann sich selbst. Warum lief der angesehene Mann plötzlich Amok? McLean soll für rasche Aufklärung des Falls sorgen. Doch als er einen Zusammenhang zwischen dem tätowierten Toten, der Familientragödie und den einflussreichen Kreisen Edinburghs entdeckt, begibt er sich auf gefährliches Terrain ...

Ach du liebe Güte. Das war mein Gedanke, der beim Lesen dieses Buchs immer mehr in den Vordergrund trat. Was klang, wie ein fast schon vom Schwedenkrimi infiltrierter Ausflug nach Schottland, entpuppte isch als ein handfester Mystery-Krimi, bei dem eine übernatürliche Lösung angeboten wird, die man erstmal schlucken können muss. Darauf war ich wirklich nicht vorbereitet und irgendwie vergisst das der Goldmann-Verlag in der Beschreibung dieser Serie auch ein wenig (genuso, wie die Tatsache, dass es eine Serie ist, das hier ist Band 4, was aber nicht so richtig aus dem Klappentext deutlich wird).Deshalb bin ich, ehrlich gesagt, nicht wirklich begeistert vom Buch, das in anderer Hinsicht wirklich gut zu lesen war.

Auf der Positivseite stehen vor allem die Atmosphäre Schottlands im Winter, die Oswald hervorragend einfängt, und eine Hauptfigur, die ein wenig wie der sympathischere Cousin von Wallander wirkt. McLean ist knorrig und knurrig, er ist misstrauisch gegenüber "denen da oben", aber das Ganze ist nicht so extrem gekoppelt an diese Weltuntergangsstimmung aus Schweden, sondern es besteht durchaus Hoffnung, dass der mürrische Haudegen etwas ändern könnte. Das hat mir gut gefallen und war es vielleicht auch, was mich mit dem Buch doch noch einigermaén versöhnt.

[Rezensionsexemplar] Simone van der Vlugt - Tiefe Stiche

Die erste Frau wird auf dem Parkplatz eines Supermarkts niedergestochen. Die zweite in einem Wohngebiet. Kurz darauf wird eine Schwerverletzte auf einem Radweg mit knapper Not gerettet. Ganz Alkmaar steht unter Hochspannung: Wen wird es als Nächstes treffen? Kommissarin Lois Elzinga hat weder eine brauchbare Spur noch ein hilfreiches Täterprofil. Jemand scheint wahllos Frauen anzugreifen. Erst als der Täter wieder zuschlägt, begreift Lois, wie viel dieser Fall mit ihr selbst zu tun hat – und wie wenig Zeit ihr bleibt …

Eins vorneweg: Lieber Diana-Verlag, könnt ihr aufhören, alles, was einen Serientäter beinhaltet, automatisch als Thriller anzupreisen und stattdessen ma sagen, was das Buch ist: ein verdammt guter Kriminalroman, in dessen Mittelpunkt nicht etwa der Thrill steht, sondern ganz solide Polizeiarbeit? Das würde dem Buch nämlich so viel gerechter werden!

Ich war, das kann man merken, anfangs auf etwas anderes eingestellt und hätte das Buch dann fast zu betulich gefunden. Dass dem nicht so war, liegt vor allem an der Fähigkeit der Autorin, einen solcehn Lesefluss zu entwickeln, dass ich einfach weiterlesen musste. Das Buch wird in zwei Handlungsebnen erzählt, man erfährt immer mehr über die geschichte der Kommissarin, die ich persönlich wirklich gut gezeichnet finde. Dass es sich hier um den dritten Teil einer Reihe handelt, wusste ich nicht, aber das hat für mich nicht wirklich einen Unterschied gemacht, van der Vlugt geht nicht den Weg, die Hauptfigur immer mehr zum dramaturgischen Mittelpunkt werden zu lassen. Stattdessen werde ich als Leser Teil der Ermittlungsakte, ich verfolge Spuren, laufe ins Leere und verusche, eine Verbindung zwischen meinen (im Gegensatz zur Polizei ein wenig weiterreichenden) Informationen zu sehen. Gefoppelt ist das ganze dann an eine schöen Figurenzeichnung, bei der mir die Hauptfigur immer sympathsciher wird, obwohl sie mit Ecken und Kanten ausgestattet ist. Für mich ist das der klare Pluspunkt dieses Krimis und genau der Grund, warum ich ihn weiterempfehle.

[Rezensionsexemplar] Wiebcke Gericke - BabySignal. Mit den Händen sprechen

Das Angenehme in einer deutsch-englischen Beziehung ist, dass das Baby gezwungenermaßen zwei Sprachen lernt. Das Problem dabei: es wird vermutlich erst einmal extrem verwirrt sein, was die beiden Sprachen betrifft. Um dem Abhilfe zu schaffen, wollte ich mich mal etwas genauer einlesen in Babyzeichensprache, mit deren Hilfe Kinder schon vor dem Spracherwerb kommunizieren können.

In ihrem Buch zeigt die Autorin zunächst einmal in einem Theorieteil, was Babyzeichensprache eigentlich ist, woher sie kommt und welche Möglichkeiten sie bietet. Man sollte nicht erwarten, dass man zweimal ein Zeichen macht und das Neugeborene antwortet. Meist wird so ab etwa acht Monaten ein erstes Imitieren der Gesten stattfinden, die dann mit zehn Monaten auch durchaus bewusst eingesetzt werden. Es ist also, wie das normale Sprechen mit dem Baby, erstmal eine sehr einseitige Angelegenheit. Und genau hier liegt meiner Meinung nach das Problem des Buches.

Angeschlossen an den Theorieteil folgt dann nämlich eine vielzahl nach Altersttufen sortierter Babyzeichen in sehr schönen Fotos, bei denen die Erklärungen manchmal aber für mich sehr kompliziert gehalten waren. Das heißt, dass ich mir die Gebärden erst einmal selbst erarbeiten muss und mich dann daran erinnern muss, was ich eignetlich gemacht habe, sollte ich das beim Kind anwenden wollen. Ansonsten sind im Buch aber, zumindest für mich, viel zu wenig Tipps für die konkrete Umsetzung von Babyzeichen - und genau das hätte ich mir aber gewünscht. Es ist eher eine Art Lexikon mit Theorieteil, das macht es aber für mich extrem schwer, mit dem Buch wirklich einzusteigen. Ohne einen Kurs, den ich parallel zum Lesen zufällig begonnen habe, hätte ich nicht wirklich Ideen, wie ich die Signale einem Baby spielerisch vermittele und ind en Alltag einbauen kann.Das wäre vielleicht eine Idee bei der nächsten Überarbeitung, dass man ein paar Ideen einfügt, statt noch mehr Anwenderinnen zu Wort kommen zu lassen, die immer wieder erzählen, welche Erfahrungen mit Babyzeichen sie gemacht haben.

{Rezensionseemplar] Mein Babyalbum

Wie lange war ich eigentlich auf der Suche nach einem Babyalbum, in dem ich alles, aber auch alles festhalten kann? Mindestens seit der Geburt. Und fündig wurde ich dann per Zufall beim bloggerportal - ich dachte mir, ich kann nichts falsch machen mit einem Rezensionsexemplar und habe jetzt allen Erstes zwei weitere Exemplare davon schon verschenkt.

Für mich ist das Buch hier rundum gelungen. Das fängt bei der Aufmachung an, die zwar kindgerecht und niedlich ist, aber nicht dieses überbordend-kitschige oder extrem-betuliche Element hat, das so viele Babyalben besizten. Diese frische Aufmachung merkt man beispielsweise bei den Erinnerungsfragen in den Kapiteln, bei denen nicht nur das klasssiche "Was hast du gedacht, als du dein Baby zum ersten Mal gesehen hast"-Heititei beantwortet, sondern auch mal Raum für Anekdoten hat. Der sehr ausführliche Teil zu den Meilensteinen hat es mir aber besonders angetan, das ist einfach schön gemacht und man schwelgt quasi beim Durchblättern schon in der Vorfreude. Dass man dann auch noch richtig viel Platz für Fotos hat, ist ein weitere Pluspunkt.

Die Verantwortlichn für dieses Buch haben sich wirklich Gedanken gemacht, das merkt man. ja, ich gestehe, ich bin ziemlich begeistert und ich freue mich ehrlich schon aufs Ausfüllen (wann werde ich nur je dazu kommen?) und auf das Erinnern. Das Buch ist nicht nur nett für die Kinder später, sondern auch schon für die Eltern während man die babyzeit erlebt. :-) 

{Rezensionsexemplar] Marianne Austermann/Gesa Wohlleben - Zehn kleine Krabbelfinger

Die ersten Wochen mit einem Baby sind super-easy: sie schlafen fast nur, essen dazwischen, und man selbst könnte den ganzen Tag nur auf dieses quietschige Windelbündel starren und es anhimmeln. Spätestens nach acht Wochen aber kommt dann doch die Frage auf, ob das reicht. Ich bn immer halb wahnsinnig vor Selbstzweifeln, ob ich nicht mehr fördern müsste oder sich das Kind hier vielleicht langweilt. Da war es ganz gut, dass mir dieses Buch beim Bloggerportal vorgeschlagen wurde.

Nach einer kurzen theoretischen Einführung geht es kapitelweise rein in die Vollen der pädagogischen Babyunterhaltung. Fingerspiele, Gesang (einfach nur neue Texte uf bekannte Lieder, was ich so oder so schon die ganze Zeit mache), Bastelanleitungen aus Haushaltsmaterialien, und alles, was Babys Sinne so ansprechen könnte. Vor allem die Schaukelspiele haben es meinem ja angetan, aus irgendwelchen Gründen findet er es super, zu kippen oder zu springen und zu schaukeln. Da bietet das Buch für mich wirklich eine reiche Auswahl, denn bisher beschränkte sch das Repertoire hier auf "Hoppe hoppe Reier".

Mir gefällt vor allem die sehr fröhliche Aufmachung des Buches. Bilder, schöne Formatierung und extrem hilfreiche Anleitungen, was man mit Fingern, Händen oder anderen Körperteilen anfängt während der Spiele, führen mich gut durch und ich kann die Sachen sofort umsetzen. Die zwischengeschalteten Basteleinheiten sorgen dann auch beim Blättern für Abwechslung. Mit dem Buch erhält man wahnsinnig viel und guten Input und kann es mit Sicherheit die gesamte Babyzeit über nutzen. Ich werde es jedenfalls ;-)

[Zeit zum Lesen] Es ist Zeit zum #Fastnachtslesen






Kerstin von wörterkatze hat es letztes Jahr ins Leben gerufen und auch dieses Jahr ist es wieder so weit: für die Karnevalsmuffel und Nicht-ganz-so-Jecken gibt es zwischen Weiberfasching und Faschingsdienstag das Fastnachtslesen 2017. Und für mich findet es dieses Jahr auch statt :-)

Zwar habe ich den Großteil des Tages eine kleine milchfordernde Pupsmaschine bei mir, aber was macht das schon - die Abende gehören weiterhin den Büchern und ich würde mich freuen, wenn ich das mal ein bisschen ausweiten könnte. Vor allem wird es aber ganz spannend, euch mal direkt an meinem Lesen teilhaben zu lassen, von daher: helau! ;-)


[Buchgedanken] Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues

Sie sind 17 Jahre alt und haben gerade das Abitur gemacht. Sie sind jung, draufgängerisch und müssen an die Front. Der erste Weltkrieg fordert seinen Tribut, und so steht schon bald die gesamte Schulklasse in Uniform bereit. Ihr alter Lehrer hat sie quasi überredet, denn wie ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu kämpfen. Dass sich hinter diesem schönen Anspruch nichts anderes versteckt als ein elend langsames und dennoch fast nicht abwendbares Sterben als Kanonenfutter, erwähnt niemand.

Erich Maria Remarques Roman ist nicht umsonst ein Klassiker geworden, den man wirklich nur jedem ans Herz legen kann. Ich habe ihn jetzt ein paarmal gelesen, jedes Mal neu bin ich völlig überwältigt von der Lakonie, mit der Remarque dieses Bild vom Sterben malt. Einer nach dem anderen werden die Figuren ausgesiebt und dabei ist keinem ein wie auch immer gearteter Heldentod gegönnt. Im Gegenteil, in der Aussicht auf ein frisches Paar Stiefel von den Füßen eines Toten wird selbst der sympatischste Schüler zum Aasgeier, und angesichts des Dauerhungers im Frontgraben sucht man sich seine Freunde nach ihrem Talent im Organisieren von Lebensmitteln aus. Für mich am schlimmsten waren die Kapitel im Heimaturlaub, wo die Hauptfigur gute Miene zum bösen Spiel macht und vor allem die Mutter nicht beunruhigen will und ihre Sorgen mit lustigen Anekdoten beantwortet und gleichzeitig die Zeit in Zivil mehr genießt als er es sich je hätte vorstellen können.

Remarque nimmt den Leser mit in die Hölle der Grabenkämpfe, wobei selbst seine sehr deutlichen Schilderungen vermutlich nur einen Bruchteil des tatsächlichen Schreckens vermitteln. Dennoch schafft das Buch, seinen Leser mitzunehmen und ihm den Gedanken an einen glorreichen Krieg auszutreiben. Dass der Autor dafür nach der Erscheinung angefeindet wurde, dürfte klar sein, aber selbst heute noch hat der Text spürbare Wirkung, selbst bei der obercoolen achten Klasse, mit der ich das Buch als Klassenlektüre parallel zu meiner eigenen Lektüre gelesen habe. Vielleicht liegt das an Remarques Geradlinigkeit der Schilderung, bei der Prosaik und Poesie sehr nah beieinander liegen. Ich habe mich sofort aufgehoben geführt in dieser Sprache und konnte die Seiten quasi im Minutentakt umblättern, so sehr wurde ich davongetragen. Und trotz dieser Sprachgewalt bleibt er dabei ganz nah an seinen Figuren, alle wirken glaubwürdig und realisitsch in ihrer Darstellung. Ich werde das Buch vermutlich immer und immer wieder lesen und hoffe, es findet noch jede Menge neue und alte Leser.

Mittwoch, 15. Februar 2017

[Buchgedanken] Marguerite Yourcenar - Der Fangschuss

1919. Im Baltikum herrscht Bürgerkrieg. Mit einem Trupp von Weißgardisten kommt der preußische Offizier Erich von Lhomond nach Kratovice. Dort leben in einem halbzerstörten Schloß sein Jugendfreund Konrad von Reval und dessen Schwester Sophie. Inmitten der Kriegswirren entwickelt sich eine Geschichte voll erotischer Spannung. Als Sophie eines Tages mit den Rotgardisten verschwindet, ahnt Erich nicht, wie sie sich wiedersehen werden ...

Das Buch steht seit Erscheinen der SZ-Bibliothek in meinem Regal rum und Ende letzten Jahres habe ich gedacht, ich könnte mich ja endlich mal dran machen. Schon die ersten Seiten haben mir gezeigt, dass man für Yourcenars Werk wirklich in Stimmung sein muss. Die Melancholie zieht sich sehr schwermütig durch jede einzelne Seite und nur allzu oft war ich versucht, dem guten Erich zuzurufen, er solle jetzt mal mit dem nervigen Rumgeheule aufhören. Erzählt wird dieser Kurzroman nämlich in der Ich-Form aus Erichs Perspektive, der sich im Zweiten Weltkrieg während eines Truppentransports zurückerinnert. Dies ist, zumindst meiner Meinung nach, aber eindeutig die Einladung an den Erzähler, sich zu verlieren in Andeutungen, Rücksprüngen und einem unglaublichen Selbstmitleid darüber, wie sehr er doch Sophie auch heute noch nachtrauert. De facto ist es aber er, der Sophie, die heftig in ihn verknallt ist, immer wieder mit dem Anziehen-und-Abstoßen-Spiel an sich bindet und dabei gleichzeitig unterdrückte homoerotische Gefühle für ihren Bruder hegt.

Erich war mir also die meiste Zeit über herlich unsympathisch, während ich zu den anderen Figuren so gar keinen Zugang gefunden habe. Konrad war sehr verwaschen und geisterte eher ein wenig im Hintergrund rum, er erinnerte mich spontan an diese völlig durchgeistigten, meistens Klavier spielenden Aristokraten, die kurz vor Ende des Krieges Selbstmord begehen, weil sie an der Seele gebrochen sind. Sophie in ihrer Naivität und Verliebtheit ist nett, allerdings fällt es mri schwer, auch nur irgendeine ihrer Handlungen nachzuvollziehen. Mit Sicherheit liegt das daran, dass Erich nicht einmal im Ansatz versucht, Gründe für ihre Taten zu finden, die nichts mit ihm selbst zu tun haben - ich glaube aber, das hinter Sophies Verhalten noch anderes stecken muss, Erich sich aber nicht einmal die Mühe macht, diesem auf die Spur zu kommen.

Nein, ich werde vermutlich kein Fan von Yourcenar, deren Stil mir so überhaupt nicht zusagt. Dennoch kann man mal reinschauen, denn kurz genug ist das Buch, um sich einen Eindurck zu verschaffen.

Mittwoch, 8. Februar 2017

[Buchgedanken] Giorgio Faletti - Ich töte

Ein unheimlicher Serienmörder verbreitet Angst und Schrecken im schillernden Fürstentum Monaco. Seine Morde kündigt der Wahnsinnige im Radio an, seine Opfer sucht er unter den Schönen und Reichen, seine Trophäen sind makellose Gesichter. Für den FBI-Agenten Frank Ottobre und Nicolas Hulot, Kommissar der Sureté, beginnt die Jagd nach einem Phantom, das ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint …

Ich habe das Buch jetzt zum, so glaube ich, dritten Mal gelesen. Und jedes Mal erinnere ich mich zwar genau daran, dass es einen überraschenden Twist hat, aber ob ihr es glaubt oder nicht, ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was das für ein Twist ist. Man könnte das jetzt als Qualitätsmerkmal für Krimis anlegen, schließlich ist es ja hilfreich, wenn man auch beim zweiten Lesen wieder miträtseln kann. Anderersetis spricht es halt auch nicht unbedingt für den Inhalt, wenn so eine wichtige Informations spurlos aus meinem Gehirn gelöscht wird. Das gilt eigentlich sogar für das gesamte Buch, die Ausgangsdee ist toll, aber von der Geschichte bleibt kaum etwas zurück, es plätschert vor sich hin und ist mit brutalen Morden gespickt, ein wirkliches Motiv, so steht es in meinen Notizen, vermisse ich aber wirklich. Stattdessen ist das Ende sehr konstruiert und verlangt mir zuviel Gutgläubigkeit ab. Allein schon, dass ein zru Zeit beurlaubter FBI-Agent plötzlich in Monaco ermittelt, wird nicth weiter erklärt, sondern das muss ich als Leser halt mal so hinnehmen. Die Figuren bleiben dementsprechend ein wenig blass und stereotyp, obwohl sie durch das ungewöhnliche Setting auch ein wenig gerettet werden. Überhaupt ist es vielleicht vor allem der Schauplatz Monaco, der mich als Leser bei der Stange gehalten hat, wann hat man schon einmal die Gelegenheit dazu, dorthin abzutauchen?

Alles in allem also ein durchschnittlicher Thriller mit nettem Schauplatz. Vielleicht ganz okay im Urlaub ;-)

[Buchgedanken] Heinz Strunk - Der goldene Handschuh

Fritz Honka. Für viele in den Siebzigern geborene ist der Name eine Art Schwarzer Mann. Honka, das war doch der St.Pauli-Killer. Der nur zufällig erwischt wurde, weil bei einem Hausbrand die Feuerwehr über die in seiner Wohnung verwesenden Opfer stolperte. Lebt der eigentlich noch?

Heinz Strunk hat sich dieser Geschichte angenommen. Strunk ist ja ein Autor, der gerne über das schreibt, was ich echt nicht lesen muss. Detaillierte Ausscheidungsbeschreibungen und sowas. Kann man machen, oder auch nicht. Für dieses Buch ist Strunk allerdings als Autor wie gemacht, denn man muss einfach dahin gehen, wo es weh tut, will man Honkas Welt zum Leben erwecken.

Honkas Welt, das ist der "Goldene Handschuh", eine Absturzkneipe in St. Pauli. Hier werden sie an Land gespült, die Alkoholiker, die Einsamen, die Verlierer, die schon morgens nichts anderes mit sich anzufangen wissen. Und vor allem natürlich die Huren. Nicht die jungen, gut aussehenden, sondern die anderen. Die, von denen man nichts mehr wissen will und die trotzdem drauf angewiesen sind, dass sich jemand ihrer für eine Nacht erbarmt. Genau die sind es, die Honka anziehen, denn auch er ist einer dieser Menschen. Als Kind missbraucht, körperlich und seelisch gebrochen und auf der Suche nach jemandem, bei dem er mal das Sagen hat. Man könnte fast Mitleid mit ihm haben.

Dieses Lokalkolorit malt Strunk und benutzt dabei nicht den feinhaarigen Aquarellpinsel, sondern eher ... eine Malerrolle, die er ganz tief eintaucht in den Dreck und Bodensatz St. Paulis, um sie dann mehr als genüsslich unter der Nase des Lesers zu verreiben. Das muss man echt mögen, selbst mir hartgesottenem Leser ist da gelegentlich ein wenig übel geworden und das will was heißen. Das spricht aber auch für die Qualität Strunks, der es schafft, trotz all dessen den Leser zum Weiterblättern zu verleiten. Man muss für das Buch in Stimmung sein, ganz ehrlich, aber es lohnt sich auf jeden Fall, diesen Blickwinkel einzunehmen.

[Buchgedanken] Dave Eggers - Der Circle

Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat, indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet, über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der Anonymität im Netz – so ein Ziel der »weisen drei Männer«, die den Konzern leiten – wird die Welt eine bessere. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo Sterne-Köche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze …

Ich bin auf dieses Buch durch Zufall gestoßen, weil es mir als Lieblingsbuch empfohlen wurde. Runtergeladen auf meinen erader war es schnell, gelesen noch schneller - und seitdem bin ich am Überlegen, was ich dazu Schlaues sagen kann. Zuerst einmal vorneweg: ich bin begeistert und das Buch landet definitiv auch auf meiner Liste der ewig empfehlenswerten Bücher. Das liegt sicher nicht an der Figurenzeichnung (sehr oberflächlich) oder dem besonders eloquenten Sprachstil. Nein, es ist die Idee der Geschichte, die mich so sehr beschäftigt.

Ich bin bei facebook. Ich bin bei instagram. Ich schreibe regelmäßig in einem Forum, von dem mich etliche Mitglieder persönlich kennen und/oder meine Adresse durch diverse Wichtelaktionen haben. Ich betreibe einen Blog über meine Lieblingsbücher. Ich habe amazon-Account und Netflixzugang, ich besitze eine Punktesammelkarte. Kurz gesagt: Ich hinterlasse täglich meine Spuren im Internet und mit Sicherheit ist es relativ einfach, Dinge über mich herauszufinden, wenn man weiß wie. Keine dieser einzelnen geteilten Informationen ist mir peinlich oder es wäre mir unangenehm, wenn jmand es weiß. Aber wie sieht das aus, wenn jemand plötzlich alle diese Informationen auf einmal über mich haben kann? Würde ich dann immer noch sagen "ich hab ja nichts zu verbergen?" Wann weiß "das Internet" zuviel über mich? Und vor allem: kann ich wirklich davon ausgehen, dass alle diese Informationen so völlig unnötig sind und niemanden interessieren?

Mae geht diesen Fragen die Mehrheit des Buchs wirklich gekonnt aus dem Weg und wird mehr und mehr zu einer gläsernen Person. Dass sie dabei aber auch Informationen über andere automatisch mit herausgibt (die Krankheit ihres Vaters, Gedanken und Gefühle ihres Exfreundes, und dergleichen mehr), scheint ihr wirklich egal zu sein. Vielleicht bemerkt sie es gar nicht mal, was ihre eigene Unbekümmertheit für Auswirkungen hat, bis dann ein (meiner Meinung nach jedoch reichlich an den Haaren herbeigezogenes) Unglück passiert. Aber selbst das lässt sie nur kurz mal Stocken. Wenig wird die Frage gestellt, ob und inwiefern Menschen von den Likes und Kommentaren ihrer Follower abhängig sein könnten. Genau das ist es aber meiner Meinung nach, was bei Mae, die sich anfangs völlig unterfordert in ihrem alten Job gefühlt hat, auch dazu beiträgt, dass sie so gutgläubig in die enge Verflechtung stolpert, in der sie sich am Ende verheddert.

Mich beschäftigen so viele einzelne Szenen aus dem Buch immer noch. Viele der Erfindungen des Circle sind gar nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen - grade eben lief bei facebook eine Werung für mich rein, in der ein Armband für Kinder beworben wird, das den Eltern per App jederzeit Miteilungen gibt über den Standort aber auch Atmung, Blutdruck und Herzschlag. Als jemand, der immer noch gelegentlich nachts hochschreckt, weil das Kind mal zur Abwechslung länger schläft, denke ich zuerst: klasse, jetzt kann ich wenigstens immer wissen, ob es ihm gut geht. Als Leser des Buchs denke ich mir: Was, wenn die Schule solche Bändchen obligatorisch machen würde? Nein, wirklich los lässt mich das Buch nicht und ich werde vermutlich noch bis Ende des Jahres daran zu knabbern haben.

Freitag, 3. Februar 2017

[Buchgedanken] Graeme Simsion - Der Rosie-Effekt

Don Tillmans »Ehefrau-Projekt« hat geklappt. Er lebt mit Rosie in New York. Und Rosie ist schwanger. Don will natürlich der brillanteste werdende Vater aller Zeiten sein, stürzt sich in die Forschung und entwickelt einen wissenschaftlich exakten Schwangerschafts-Zeitplan für Rosie.
Aber seine ungewöhnlichen Recherchemethoden führen erstmal dazu, dass er verhaftet wird. Was Rosie auf keinen Fall erfahren darf, um ihre Beziehung nicht zu belasten. Also muss Don improvisieren, seinen Freund Gene einspannen und Lydia, die Sozialarbeiterin, davon überzeugen, dass er ein Superdad sein wird. Bei alledem übersieht er fast das Wichtigste: seine Liebe zu Rosie und die Gefahr, sie genau dann zu verlieren, wenn sie ihn am meisten braucht ...

Ich fand "Das Rosie-Projekt" ja ganz nett und habe deshalb auch die Fortsetzung gelesen. Und ich kann nicht wirklich in Worte fassen, wie doof ich dieses Buch fand und wie sehr meine Leseerwartungen enttäuscht wurden. Rosie und Don leben also in New York. Irgendwie müssen sie auf dem Flug dorthin ausgetauscht worden sein. Aus Don wird ein karikaturistisches Abziehbild, das in jeder dämlichen Nerd-Soap auftreten könnte, und Rosie wird zu einer egomaischen Egoistin, die so gar nichts mehr mit der Rosie gemeinsam hat, die ich kennengelernt hatte. Ganz ehrlich, so ziemlich jede einzelne ihrer Handlungen ist so nicht-nachvollziehabr und zum Teil einfach nur haarsträubend (und ich rede hier nicht von dem allgegenwärtigen "Mein Bauch, mein Alkohol, den ich die ganze Zeit über in mich reinschütte"). Ab dem Zeitpunkt von Dons Verhaftung ist dieses Buch einfach nur eine klischeebehaftete Komödie, aus der einem der Wunsch "Verfilm mich endlich!" entgegenschreit. Dabei sind die Szenen aber so sehr geplant, dass keine Atmosphäre aufkommen will, sondern man stattdessen immer nur den Kopf schüttelt und genervt die Augen rollt. Sollte da jemals ein dritter Band erscheinen, findet er ohne mich als Leser statt.

[Buchgedanken] Camilla Läckberg - Die Schneelöwin

Seit Wochen ist die fünfzehnjährige Victoria aus Fjällbacka verschwunden, und nun taumelt sie mitten im Winter vor ein Auto. Als sie obduziert wird, stellt man fest, dass sie aller ihrer direkter Sinneswahrnehmungen beraubt wurde. Patrik und seine Kollegen finden schnell heraus, dass sie nicht der einzige verschwundene Teenager in der Umgebung ist, und versuchen den Täter zu finden. Währenddessen stellt Erica Recherchen für ihr neues Buch an, in dessen Mitelpunkt ein vierzig Jahre zurückliegender Fall steht ...

Ach, das war mal wieder nett und beschaulich in Fjällbacka. Da können noch so bestialische Serienmörder unterwegs sein, irgendwie fühlt es sich trotz allem wie bei Astrid Lindgren an. Mellbeck wird immer sympathischer und blüht in seiner Oparolle auf, Martin trägt sein Schicksal wirklich gefasst und Erica und Patrick sind selbst mit Zwillingen im Trotzalter noch immer die liebenswerten, netten Typen der letzten acht Bücher. Ein Feel-Good-Krimi, wenn man es so will, der aber für mich leider doch einige Mängel aufweist.

Aufgrund der sehr hohen Personenanzahl, deren Leben und Schicksale in der Serie sowieso schon behandelt werden, und der zusätzliche Protagonisten des Falles hetzt man als Leser regelrecht von Szene zu Szene. Grade im letzten Drittel leidet darunter aber für mich die Geschichte, denn durch das schnelle Abhandeln wird die Figurencharakteristik sehr zurückgefahren und in diesem Fall ist dadurch die Auflösung für mich sehr unglaubwürdig geworden. Da hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, denn vor allem die Figur des Täters braucht deutlich mehr Erklärungen als die, die hier geboten werden.

Mein zweiter Kritikpunkt ist, dass sich nach inzwischen neun Büchern Läckbergs Ideen inzwischen recht offensichtlich für mich erschließen lassen. So war mir effektiv schon nach zwei Rückblenden in die Siebziger Jahre klar, worauf dieser Strang hinauslaufen wird, und die Täterauflösung kam mir aus einem ihrer früheren Krimis bereits sehr bekannt vor. Gut, den allerletzten Twist habe ich nicht direkt vorhergesehen, der war aber meiner Meinung nach auch nicht wirklich wesentlich, sondern diente vielleicht eher dazu, selbst Leute wie mich noch irgendwie zu überraschen. Vielleicht traut sie sich ja beim zehnten Band mal, etwas Neues zu beschreiten, aber ich glaube eher nicht.

Wer also einen netten, wenig überraschenden Krimi zum Liebhaben sucht, wird hier fündig. Wer harte Beschreibungen und psychologische Detailliertheit haben möchte, nimmt vielleicht doch eher ein anderes Buch zur Hand.

[Buchgedanken] Marina Lewycka - Die Werte der modernen Welt unter Berücksichtigung diverser Kleintiere (Various pets alive and dead)

Serge und Clara haben kaum Gemeinsamkeiten. Doch die zusammen durchlittene Kindheit in einer Hippiekommune hat sie für immer zusammengeschweißt. Die Nachricht ihrer Eltern, nach 35 Jahren wilder Ehe doch noch heiraten zu wollen, ist eine echte Überraschung. Doch es gibt Schlimmeres. Vor allem Serge steckt in der Klemme: Statt zu promovieren, dient er als Investmentbanker schon längst dem elterlichen Feindbild schlechthin: dem Kapitalismus. Er will das ganz große Geld machen, im Zweifelsfall mit illegaler Zockerei. Dumm nur, dass 2008 die Finanzwelt in ihre größte Krise stürzt – und mit ihr Serge …

Zufällig in der Bibliothek gesehen, habe ich natürlich direkt das Buch mitnehmen müssen. Marina Lewycka und ich haben ja eher eine gespaltene Beziehung, entweder ich finde ihre Bücher toll oder ich bin maßlos enttäuscht von den Wendungen, die sie nehmen. "Die Werte der modernen Welt ..." hängt da genau dazwischen, das scheint also auch möglich zu sein. Ich fand die Ausgangssituation wirklich toll, dieses zwischen-zwei-Welten-Schweben von Serge, der eine Heidenpanik vor der möglichen Reaktion seiner Eltern hat, sollten sie jemand erfahren, dass er in der City of London arbeitet. Ihn fand ich als Person sehr nett gezeichnet, auch wenn nicht alle seiner Handlungen für mich nachvollziehbar waren - aber hey, ich bin auch nicht total verknallt in eine Arbeitskollegin. Clara fand ich da schn serh viel blasser gehalten und vor allem ihre Episoden in ihrem Arbeitsumfeld der Schule konnten mich nicht wirklich packen.

Sehr bizarr und gleichzeitig lustig waren die Rückblicke in die Kommunenzeit, vor allem die Diskussionen und politischen Ergüsse, bei denen man beim ein oder anderen Teilnehmer doch eher das Gefühl hat, dass er eine Phrase nachplappert, die irgendwie beeindruckend klingt, aber nicht so wirklich mit dem Thema zu tun hat. Ein bisschen Judäische Volksfront in der englischen Provinz, nicht zu überspitzt dargestellt und gut zum Eintauchen in die Atmosphäre.

Leider ging es dann in der Gegenwart mit immer mehr Bankenkritik weiter und sehr ausführlichen Schilderungen von Serges Lieben und Leiden, was mich aber im Laufe des Lesens ein wenig gelangweilt hat, weil da halt weder was vorwärts ging, noch wirklich klar wurde, was sonst sein könnte. Darunter litten dann die anderen, sehr kurz gehaltenen, Episoden, die weniger ausgestaltet wurden.

Es war kein so schlechtes Buch. Aber halt auch nicht das Beste von ihr.

Mittwoch, 18. Januar 2017

[Buchgedanken] Italo Calvino - Wenn ein Reisender in einer Winternacht

Wenn ein Reisender eine Buchhandlung betritt und nach dem neuen Roman von Italo Calvino fragt, dann kann er allerhand erleben. Er kauft das Buch und merkt beim Lesen, dass sich die Handlung an der spannendsten Stelle wiederholt. Auch hat die Buchbinderei versehentlich Druckbogen eines anderen Buches mit hineingebunden. Also kauft er das neue Buch und schon ist er mittendrin in einem brillanten Verwirrspiel, bei dem er von einer Geschichte in die nächste gerät, immer auf der Suche nach dem neuen Roman von Italo Calvino ...

Ich hatte seit Jahren Angst vor diesem Roman. Angst, weil mir mehrere Leute, die ihn angefangen hatten, versichert haben, dass es sich hier um das wohl furchtbarste Buch alles Zeiten handelt, allein schon weil man permanent irgendwelche Anfänge um die Ohren gehauen bekommt, ohne wirklich eine Auflösung zu bekommen. Und ja, mit diesem Wissen steht so ein Buch einfach jahrelang im Regal. Bis ich dann meinen Freund bitte, mir ein beliebiges Buch auszuwählen und er genau damit ankommt. Na, das kann ja was werden!

Und dann schlage ich die erste Seite auf und bin überrascht. Ja, der Stil ist ungewöhnlich - denn es ist konsequent in "Du"-Form geschrieben, der Autor (ist es wirklich der Autor oder ist es unser Konstrukt vom Autor, der sich als Ich-Erzähler tarnt?) spricht den Leser an und statt als Beoachter bin ich quasi Teil der Handlung und erlebe diese Geschichte in der Geschichte am eigenen Leib. Meine Leseerwartungen werden erstmals auf den Kopf gestellt und ich frage mich, ob das wirklich ein so furchtbares Buch sein kann.

Beim Weiterlesen fängt mein Gehirn an, langsam Knoten zu bilden. Es ist nie ganz klar, ob es sich bei den erlesenen Geschichten um Nacherzählungen handelt oder um Originaltexte, die Grenzen zwischen Fiktion, Metaebene und Realität, die wir als Leser gewont sind, verschwimmen hier vollkommen. Wer nach dem Buch immer noch meint, ein Ich-Erzähler wäre eine simple Erzählstruktur, sollte in sich gehen.

Und auch wenn das jetzt hochkomplex und literarisch anspruchsvoll klingt, gelingt Calvino das Meisterstück, das ganze so kurzweilig zu erzählen, dass man ihm immer weiter folgt in dieses literarische Labyrinth. Je mehr man über Fragmente, Bruchstücke, Versatzstücke und Auszüge stolpert, desto mehr bedauert man, dass man nicht weiterlesen kann, desto mehr will man genauso wie das anonyme Du endlich wissen, was geschehen wird. Ich wette, jeder wird einen Roman finden, den er sich weiterspinnen möchte, denn Calvino bietet alles, vom Spionageroman bis zum amerikanischen College-Roman, ein Potpurri der postmodernen Literatur, die in ihrer jeweils eigenen Sprachweise erzählt werden.

Lasst euch also von der Postmoderne nicht unterkriegen. Wenn sie so ist, wie Calvino schreibt, dann umarmt sie und heißt sie im Bücherregal willkommen. Verdient hat sie es mit diesem Roman allemal. 

[Rezensionsexemplar] Jóanes Nielsen - Die Erinnerungen

Eigil Tvibur ist auf den Färöern aufgewachsen, in einem Holzhäuschen am eisblauen Fjord, inmitten von Fischern und Walfängern. Begleitet vom Schrei der Möwen, den Duft von getrocknetem Tang in der Nase, die schmalen Schafspfade entlang der steilen Klippen vor Augen. Schon seine Vorfahren hatten hier gelebt. Doch wie diese ist er immer ein Außenseiter geblieben. Liegt es daran, dass er sich vor dreißig Jahren auf den Friedhof geschlichen und einen unverzeihlichen Fehler begangen hat? Oder hat es mit seiner Familiengeschichte zu tun? Eigil beginnt nachzuforschen …

Ich gebe zu, ich hatte mir das Buch als Rezensionsexemplar gewünscht, weil es auf den Faröer Inseln spielt und das für mich faszinierend klang. Auch hatte der Klappentext so einen gewissen literarischen Anspruch, ich habe mich da in der Sprache verloren. Alles in allem klang es also nach einem Buch, das mich fordern würde, das aber viel Lesegenuss versprach.

Als ich dann das Buch aufgeschlagen habe, bin ich um ein Haar komplett gescheitert (tatsächlich habe ich etwa vier Monate dran gelesen und hatte zwischenzeitlich immer wieder das Bedürfnis, es abzubrechen). Das fing an mit den Namen, die ich wirklich nur mühsam ausenanderhalten konnte, und ging weiter mit den ständigen Wechseln zwischen Geschichte, historischen Fakten und Auszügen aus irgendwelchen anderen literarischen und nichtfiktionalen Werken, bei denen ich nie genau wusste, was davon jetzt wirkliche Quelle ist und was nicht. Für meine empfindsame Historikerseele ist das eine Art Super-GAU ;-) Auch war mir der Stil, der im Klappentext noch ansprechend wirkt, ausgebreitet auf einen ganzen Roman streckenweise einfach zuviel des Guten, ich konnte nicht mehr folgen. Der Gedanke "Schwafel doch mal nicht so" kehrte immer wieder zurück. Ich habe mich dennoch durchgebissen, weil mich die Geschichte an sich ja durchaus interessiert hat, aber das Buch war einfach kein Lesevergnügen. Vielleicht war es der falsche Zeitpunkt, vielleicht war ich der falsche Leser, aber wirklich empfehlen würde ich das Buch nicht. 

[Rezensionsexemplar] Miranda Richmond Mouillot - Anna und Armand

1948, nachdem sie gemeinsam den Zweiten Weltkrieg überlebt haben, kaufen Anna und Armand – die Großeltern der Autorin – ein altes Steinhaus in einem abgelegenen, malerischen Dorf in Südfrankreich. Fünf Jahre später packt Anna ihre Sachen und verlässt Armand. Die Schreibmaschine und die Kinder nimmt sie mit. Abgesehen von einer kurzen Begegnung, haben die beiden nie mehr miteinander gesprochen, nie neu geheiratet oder irgendjemandem offenbart, was sie so unwiederbringlich entzweit hat ...

Als ich mir das Buch über das Bloggerportal als Rezensionsexemplar geholt habe, hatte ich mich auf einen der typischen "düstere Geheimnisse der Vergangenheit werfen ihre Schatten in die Gegenwart"-Romane gefasst gemacht, die ich ja durchaus gerne lese. Irgendwie war es an mir vorbei gegangen, dass es sich hier um die tatsächliche Geschichte der Autorin bzw. ihrer Großeltern handelt und das Buch dementsprechend eher einen Erfahrungsbericht darstellt. Genau das war es aber, was mir das Lesen einerseits erleichtert, andererseits erschwert hat.

Leicht zu lesen war es nicht nur, weil dem Buch eine umfangreiche Tabelle beiliegt, wann Anna und Armand jeweils wo waren, sondern auch, weil ich quasi als Zeuge der Dokumentation der Autorin folge. Das ganze ist gut geschrieben und streckenweise auch sehr schön erzählt, hält mich als Leser bei der Stange und dieFiguren wachsen mir auch deshalb sehr ans Herz, weil sie sehr realistisch sind (na klar, sie sind ja auch lebende Personen) und ihre Handlungen eben mitunter auch seltsam oder nicht nachvollziehbar wirken, weil sie eben keiner ausgedachten Handlungslinie folgen müssen.

Was mir dann jedoch das Buch schwer gemacht hat - so schwer, dass ich zwischendrin mal zwei Wochen Pause gemacht und es fast vergessen habe - waren diese "Selbstfindungspassagen" der Autorin, in denen sie reist, die Liebe findet und bla bla bla. Das war für mich leider ein bisschen mehr Therapiesitzung als Roman und hätte ich einfach nicht gebraucht. Klar, Anna und Armands Geschichte ist quasi der Auslöser für die Autorin und Veränderungen in ihrem Leben und Denken, aber mich persönlich hätte es mehr angesprochen, hätte sie sich einzig auf die Vergangenheit konzentriert und das als Roman erzählt.

Kann ich das Buch trotzdem empfehlen? Ja, durchaus. Es ist interessant und größtenteils gut geschrieben, mit einigen Abstrichen also ein wirklich gelungenes Buch. :-)

Mittwoch, 11. Januar 2017

[Buchgedanken] Katherine Webb - The English Girl

Seit ihr Vater ihr als Kind die Märchen aus 1001 Nacht vorgelesen hat, hat Joan Seabrook einen Traum: sie will selbst die Wüste sehen. 1958 hat sie endlich Gelegenheit dazu, als sie gemeinsam mit ihrem Verlobten Rory in den Oman reist. Dort will sie ihr Kindheitsidol treffen, die Forscherin Maud Vickery, die Anfang des 20.Jahrhunderts als erste Frau die Wüste durchquert hat. Leider geschlagen von ihrem großen Konkurrenten und Kindheitsfreund Nathan. Die beiden Frauen beginnen, sich anzufreunden, und schon bald lässt sich Joan von Maud für eine Gefälligkeit einspannen, nichts Großes, nur ein Besuch im Gefängnis - doch Maud spinnt Pläne, die Joan nicht ahnen kann ...

Wow, ein Buch, das im Oman spielt - was für ein Start in meine diesjähre literarische Weltreise. Die Beschreibungen des Settings gelingt Katherine Webb wirklich gut, fernab der üblichen Klischees vom Orient. Da hätte ich gerne noch mehr gelesen. Auch die Grundidee der Geschichte war für mich gut gewählt, die Rückblenden in Mauds Kindheit und Entdeckerjahre haben mir gefallen. Aber, und da kommt jetzt das große Aber, das ich bei Katherine Webb immer wieder habe, das Buch war einfach so unglaublich vorhersehbar. Ich hatte so ziemlich ab Sekunde eins genau den richtigen Riecher in Bezug auf die zwei großen Geheimnisse des Buchs und habe dementsprechend über Mauds Naivität ein wenig die Augen verdrehen müssen. Also ehrlich ... die Darstellung dieser jungen Frau fand ich jetzt nicht grade erfrischend, sondern sehr klischeehaft. Die junge Maud hat mir streckenweise sehr gut gefallen, allerdings war dann ihr Verhalten als alte Frau auch sehr melodramatisch. Beide sind für mich niht wirklich tolle Figuren, mir fehlen ein wenig die Ecken und Kanten.

Insgesamt ist es ein netter Roman gewesen mit schönen Schilderungen der Wüste, dessen Charakterzeichnung aber nur knapp über einem Rosamunde-Pilcher-Roman liegt. Man muss jetzt nicht darauf brennen, die deutsche Übersetzung zu bekommen, das Taschenbuch ausleihen tut es völlig.

[Rezensionsexemplar] Gill Rapeley/Tracey Murkett - Baby-led Weaning. Das Grundlagenbuch

Babys können so einfach ernährt werden. Mund auf, Brust rein. Dumm nur, dass sie irgendwann eben doch lernen müssen, dass man nicht nur Milch zu sich nehmen sollte, sondern auch andere Nährstoffe benötigt. Normalerweise funktioniert das auf die gute, alte Karottengläschen-Methode - und wer, wie ich, die Weisheitszähne gleich auf einen Schlag gezogen bekommen hat, musste als Erwachsener schmerzhaft lernen, dass diese Karottngläschen echt abartig schmecken.

In England gibt es seit einigen Jahren eine Bewegung, die anders vorgeht. BLW, so die Abkürzung, führt Beikost auf eine Methode ein, die von vielen als deutlich stressfreier beschrieben wird. Wenn das Baby etwa ein halbes Jahr ist, sitzt es mit am Tisch und es wird einfach mal geschaut, ob es sich für Essen interessiert. Und wenn es das tut: bedien dich, Baby. Keine Gläschen oder selbstgemachtes Pürree, stattdessen darf das Baby nach Herzenslust matschen, spielen, eventuell sogar essen. Und lernt auf diese Weise, dass Essen völlig verschieden sein kann, dass es ein Gemeinschaftserlebnis ist und dass es verdammt lecker schmeckt. Kann es wirklich so einfach sein?

Ja, sagen die beiden Autorinnen, die sowas wie die graue Eminenz des BLW sind. In diesem Buch geben sie für interessierte Eltern eine Einführung in die wichtigsten Fragen: was ist BLW, wie funktioniert das eigentlich und worauf muss man achten? Da das Thema bei uns in einigen wenigen (was, wirklich schon???) Monaten ansteht, habe ich die Chance genutzt, ein Rezensionsexemplar zu erhalten. Was mir am Buch sehr positiv aufgefallen ist: die Autorinnen stehen wirklich hinter dem Konzept und man merkt ihre Begeisterung. Selbst ich, die ich eher zur Kategorie "boah, nee, Babysabber" gehöre, habe nach der Lektüre kaum Panik vor eingesauten Tischen, Böden und Babys. Mir hat dabei geholfen, dass in der Mitte etliche farbige Bilder waren, die Kinder beim BLW gezeigt haben, und keins davon gehörte in diese für mich doch etwas abstoßende "sich in Essen wälzen"-Kategorie, die einem bei facebook mitunter begegnen. Auch die Zitate und Erfahrungsberichte von praktizierenden Eltern waren nett eingeschoben und haben das Buch sehr flüssig zu lesen gemacht.

Zusätzlich erhält man Informationen über die richtige Nahrungszusammensetzung für Babys und eine kurze Erklärung der wichtigsten Nahrungsmittelgruppen. Das Buch ist ingesamt sehr kompakt und liest sich wirklich extrem schnell. Und wenn man nochmal was nachschlagen will, ist durch die Kapitelabschlüsse, in der noch einmal alle behandelten Fragen knapp beantwortet werden, schnell gefunden, was einen aktuell interessiert.

Zwei kleine Kritikpunkte habe ich allerdings. Zum einen war das Buch für meinen Geschmack dann doch recht redundant, erst geht es um ein Thema, dann kommt noch ein Erfahrungsbericht mit denselben Themen, dann noch einmal die Abschlussfragen - gelegentlich hätte man echt kürzen können. Was mir aber vor allem gefehlt hat, war die Frage, wie man BLW mit einer allmählichen Mutermilchentwöhnung/Flaschenfütterung kombiniert. BLW bedeutet nämlich, deutlich länger zu stillen und grade dann, wenn es Zähnchen gibt, ist Stillen eben doch nicht für jede Frau die Erfüllung. da hätte ich mir ein wenig genauere Informationen gewünscht, andererseits betrifft das vielleicht auch eher allgemeine Stillliteratur und nicht BLW.

Insgesamt empfehle ich interessierten Eltern, mal in das Buch reinzuschauen. Man bekommt viel Input und eins schaffen die Autorinnen auf jeden Fall: Lust auf das Experiment BLW zu machen.

[In eigener Sache] Neues Jahr, neues Glück

Das letzte Jahr hat mich ganz schön überrollt,muss ich sagen. Irgendwie war es plötzlich vorbei und ich hatte noch nicht einmal die Chance, einen wirklichen Jahresabschluss zu machen oder meine Challenges vernünftig zu Ende zu führen. Aber das macht nichts, denn schließlich hat 2016 einige Sachen für mich bereit gehalten, die wichtiger waren als Bücher ...

Zuallererst natürlich mein Umzug - inzwischen habe ich mich ganz gut eingelebt und versuche jetzt, den Schritt zu wagen, neue Bekanntschaften zu schließen. Das wird eine Herausforderung, war aber auch mein Neujahrsvorsatz.
Viel wichtiger aber ist der Mann, der zur Zeit mein Herz im Sturm erobert und seit September einen Großteil meiner Zeit verschlingt und mir die größten Augenringe beschert. Dank ihm bin ich sogar an meinem Leseziel gescheitert und es war mir zu dem Zeitpunkt (fast vollständig) egal. Leider frisst so ein Baby wirklich enorm viel Energie und Zeit. Dementsprechend wird sich hier im Blog einiges im Jahr 2017 ändern und neu sortieren müssen. Ich werde in jedem Fall weiterbloggen, aber ich muss mir neue Strukturen schaffen. Mal eben so zwischendrin eine Rezension raushauen, wie ich es bisher gemacht habe, kann zur Zeit eher geknickt werden, aber warum nicht mein schickes neues Notizbuch mal dazu nutzen, wirklich feste Blogtermine zu vereinbaren? Im Moment peile ich mittwochs und samstags an, diese Abende nutze ich dann aber auch mal bewusst. Und wenn ich Zeit zum lesen finden sollte, dann gibt es sogar nicht nur Rezensionen, die ich nachholen muss, sondern auch Einblicke in meine ganz aktuellen Lektürelisten.

Also, auf in ein neues Jahr. Es wird spannend, es wir anders, es wird ... 2017.